Kein Industriegebiet im Hauptsmoorwald!

Quelle: Stadt Bamberg

Trotz des problematischen Standorts hat die Stadt Bamberg eine Flächennutzungsplanänderung und ein Bebauungsplanverfahren für das geplante Gewerbe- und Industriegebiet im Hauptsmoorwald eingeleitet.

Unter dem Namen „Gewerbepark Geisfelder Straße“ wird auf den Flächen von Schießplatz, Muna sowie nordöstlich und östlich davon gelegener Waldbereiche ein riesiges Industrie- und Gewerbegebiet geplant. Dessen ganzes Ausmaß ist in der obenstehenden Grafik aus dem Bebauungsplanentwurf zu erkennen. Die grauen Flächen sind Gewerbe- und Industriefelder. Die orange Fläche steht für das Sondergebiet JVA. Orange sind auch die Erschließungsstraßen gekennzeichnet. 

Wir haben uns in einer Stellungnahme zu den Planungen geäußert. Folgende Hauptkritikpunkte sind aus unserer Sicht relevant:

Die Größe der Bauflächen des geplanten Industriegebietes im Hauptsmoorwald und an dessen Rand beträgt 100,15 ha. Etwa ein Viertel davon entfällt auf Verkehrsflächen.

Damit sprengt diese Planung die bisherigen Dimensionen von Gewerbegebietsausweisungen und die Grenzen der Verhältnismäßigkeit.

Der tatsächliche Bedarf wird angezweifelt.

Durch die Bebauung würden über 85 ha (entspricht 120 Fußballfeldern) Wald zerstört werden. Neben den Waldflächen auf der Muna und dem Schießplatz gehören dazu auch weitere, große, bisher nur forstlich genutzte Bereiche des Hauptsmoorwaldes.

Aber auch für den Naturschutz sehr wertvolle Offenlandbereiche würden zerstört oder durch die geplanten Gewerbeflächen und Erschließungsstraßen isoliert werden.

Die Freiflächen des Schießplatzes gehören zu den wertvollsten Flächen der „Sandachse“ und weisen bayernweite Bedeutung auf. Sie bestehen aus verschiedenen gesetzlich geschützten Biotopen wie Sandmagerrasen.  Diese zählen zu den Lebensraumtypen, die aufgrund ihrer Gefährdung nach europäischer FFH-Richtlinie einen besonderen Schutz genießen. Die Fläche weist eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren der Roten Liste auf.

So konnten z.B. 22 Pflanzen der Roten Liste, 150 Schmetterlingsarten (darunter 11 der Roten Liste) oder gefährdete Tierarten wie die Zauneidechse oder zahlreiche Fledermausarten nachgewiesen werden.

Nach der vorgelegten Planung wird ca. die Hälfte der wertvollen Sandmagerrasen-komplexe des Schießplatzes überplant. Die restliche Fläche soll durch eine Erschließungsstraße geteilt werden. Dadurch blieben im Grunde nur noch zwei voneinander getrennte, weitgehend durch umgebende Straßen und Gewerbeflächen isolierte Teilflächen übrig. Die ökologische Wertigkeit der Sandmagerrasenkomplexe würde dadurch sehr eingeschränkt.

Auch die Erholungsfunktion bisher naturnaher Waldflächen wäre durch Störfaktoren des Industriegebiets wie Lärm, Sicht oder Verschmutzung erheblich beeinträchtig.  Die ohnehin sehr eingeschränkten Naherholungsmöglichkeiten in der Natur im Bamberger Osten/Südosten werden durch die Industrieansiedlungen eingeschränkt und noch weiter nach Osten verschoben.

Die überwiegend im Gebiet vorhandenen Sandböden  haben nur eine geringe Rückhaltewirkung für Schadstoffe. Zusammen mit dem hoch anstehenden Grundwasser ist die Nutzung als Industriegebiet problematisch.

Die Rodung von 86 ha Wald sowie die Versiegelung von großen Flächen wird für die westlich benachbarten Siedlungsflächen in klimatischer und lufthygienischer Hinsicht negative Auswirkungen haben.

Fazit: Die Schutzgüter Natur und Landschaft, sowie im Speziellen die Arten- und Biotopausstattung, fanden im gebotenen Umfang keine Berücksichtigung. Die gesamte Planung eines Industriegebiets im Hauptsmoorwald weist fachliche Mängel und fehlerhafte Angaben bei der Ermittlung von Ausgleichsflächen auf.

Aus all diesen Gründen lehnen wir die Flächennutzungsplanänderung und den Bebauungsplan ab. 

Den Text der Stellungnahme mit ausführlicher fachlicher Begründung können Sie sich hier herunter laden.

Bamberger Schiessplatz - Aktuelles Gutachten belegt Naturschutzwert

Bamberg. Angesichts der Bedrohung des ehemaligen Schießplatzes an der Armeestraße durch ein großflächiges Gewerbegebiet haben Bund Naturschutz und Naturforschende Gesellschaft nun ein Gutachten vorgelegt, das ihre Forderung einer Unterschutz-Stellung fachlich belegt.

Für das Gutachten wurden insbesondere Bewuchs und Pflanzenarten auf dem Gelände, das von der US-Army für Schießübungen genutzt wurde, untersucht. Hermann Bösche, Vorsitzender der Naturforschenden Gesellschaft und einer der beiden  Autoren der Studie kommentiert: "Wir wussten bereits von dem besonderen Wert des Areals, aber diese Ergebnisse haben unsere Vorstellungen noch weit übertroffen."

So wird der größte Teil des ehemaligen Schießplatzes von Sandmagerrasen und in geringerem Umfang auch von Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen bewachsen. Dies sind allesamt Biotoptypen, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter besonderem Schutz stehen. Auch in der europäischen  FFH-Richtlinie (Flora Fauna Habitat) werden diese Lebensräume als besonders schützenswert eingestuft.

Das Gutachten hebt speziell die Sandmagerrasen hervor. Die Experten fanden bei ihrer Untersuchung auf den hervorragend erhaltenen Flächen allein 11 Pflanzenarten,  die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. „Durch ihre Größe und ihre gute Ausstattung haben die Sandmagerrasen des Schießplatzes bayernweite Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt und gehören zu den bedeutensten Flächen der Sandachse Franken," so Erich Spranger, Co-Autor der Studie.

Vor diesem Hintergrund zeigte sich BN-Kreisgruppenvorsitzender Heinz Jung bei einer Begehung der Flächen sehr  verwundert über die Pläne der Stadt: „Durch die Konverson stehen viele bereits überbaute Flächen zu Verfügung – warum überplant man eine für den Naturschutz so wertvolle Fläche derart rücksichtslos?“ Bund Naturschutz und Naturforschende Gesellschaft fordern bestärkt durch das Gutachten, die Fläche mit  entsprechender Pflege, z.B. die Beweidung durch Mufflons, in ihrem jetzigen Zustand zu erhalten und auf Dauer zu sichern.

 

Zum Download des vegetationskundlichen Gutachtens

Christine Hertrich 

 

 

Wir sagen dem Gewerbegebiet Muna-Schießplatz den Kampf an

Quelle: Stadt Bamberg; überarbeitet von BUND Naturschutz

Große Empörung herrschte bei der Mitgliederversammlung der BUND Naturschutz Kreisgruppe Bamberg am 15. Mai 2014 über die Planung der Stadt Bamberg für ein neues Gewerbegebiet im Bereich Muna und Schießplatz.

Die Pläne, die am 13. Mai in der Konversions-Arena 4 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, sehen ein über 100 ha großes, von Erschließungsstraßen durchzogenes Gewerbeareal vor. „Diese Planung bedeutet einen immensen Flächenverlust, isoliert  das vorhandene Naturschutzgebiet Muna und zerstört wertvolle Lebensräume. Die ausgewiesenen Gewerbeflächen fressen sich auch in bisher nicht militärisch genutzte Bereiche des Hauptsmoorwaldes hinein. Deshalb werden wir mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, dagegen kämpfen“, kündigt Heinz Jung, der Vorsitzende der Kreisgruppe, an. Der Plan gehe weit über den aktuellen Bedarf an Gewerbeflächen in Bamberg hinaus und werde weder der Demografie noch einer ökologischen und sozialen Stadtentwicklung gerecht. Natur komme bei dieser Planung nicht vor.

Vielfalt an gefährdeten Arten prägt die Konversionsflächen

Bei einem Vortrag im Rahmen der Mitgliederversammlung dokumentierten der Geograph Hermann Bösch und der Biologe Martin Bücker den ökologischen Wert der Konversionsflächen. Die Vielfalt an geologischen Strukturen und die Lebensräume, die sich in den letzten Jahrzehnten aufgrund der militärischen Nutzung nahezu ungestört entwickeln konnten, machen diese Flächen für die Natur so einzigartig. So finde sich hier ein Mosaik aus Sandmagerrasen, bewaldeten Flächen, kleinen Teichen und feuchten Moorböden. Die beiden Experten veranschaulichten anhand von Fotos, wie selbst die versiegelten und bebauten Flächen der Muna von der Natur zurück erobert wurden und welch hohe ökologische Qualität sie inzwischen aufweisen. Die Muna besteht zum größten Teil aus naturnah bewirtschaftetem Wald. Auch die Bunker und zum Teil die Baracken sind "bewaldet".

Viele seltene oder gar vom Aussterben bedrohte Tier-, Pilz- und Pflanzenarten sind auf den unterschiedlichen Konversionsarealen – Flugplatz Breitenau, Schießplatz, Muna, Local Training Area (LTA) – zu Hause. Nördlich des Naturschutzgebiets Muna befinden sich bis zur Geisfelder Straße wertvolle Sandmagerrasen. In diesen Bereichen kommen beispielsweise Dünensandlaufkäfer und Ameisenlöwe sowie zahlreiche Schmetterlingsarten wie der Purpur-Ampferspanner vor. Die Artenvielfalt und Qualität der Schießplatz-Flächen sind mit der des Flugplatzes Breitenau vergleichbar - also ein Hotspot der Artenvielfalt. Rund um die kleinen Teiche im Hauptsmoorwald sind Moorfrosch und Gelbbauchunke anzutreffen. Über 1000 Blütenpflanzen beheimatet der Hauptsmoorwald, viele davon sind ansonsten weit und breit nicht mehr zu finden. So der Pfeilginster, von dem in ganz Franken kein weiteres Vorkommen bekannt ist. Selbst Relikte aus der Eiszeit, wie das äußerst gefährdete Alpenleinblatt, haben im Hauptsmoorwald überlebt.

Wald muss Wald bleiben

Vor diesem Hintergrund wurden auf der Mitgliederversammlung die Forderungen des BUND Naturschutz an den Konversionsprozess in Bamberg noch einmal bekräftigt:  Wald muss Wald bleiben. Versiegelte Flächen im Bereich Hauptsmoorwald und Muna müssen zurück gebaut und entsiegelt werden. Für eine ökologisch und sozial verträgliche Stadtentwicklung stehen im Bereich Kaserne und Housing Area genug Flächen zur Verfügung. Der Flugplatz Breitenau muss unter Naturschutz gestellt werden, um ihn vor weiteren Eingriffen dauerhaft zu schützen.

Ausführliche Informationen, Fotos, Pläne und Ziele aus Sicht der Stadt Bamberg finden Sie unter:

www.konversion.bamberg.de

Christine Hertrich