Schutz der Artenvielfalt

Der Rückgang der Artenvielfalt, auch im Landkreis Bamberg, ist enorm und nach wie vor ungebremst. Durch das Volksbegehren Artenvielfalt hat das Thema an Aufmerksamkeit gewonnen und auch eine neue gesetzliche Grundlage bekommen. Leider verwässert die Staatsregierung durch Ausführungsbestimmungen immer stärker.

Unsere Fragen:
Was wollen Sie in Angriff nehmen, um das neue Gesetz mit Leben zu erfüllen (Stichpunkte sind z.B. Förderung der biologischen Landwirtschaft, Gewässerrandstreifen, Pflege von Straßen- und Weg-Begleitgrün als Magergrünland)?

Welche Konzepte haben Sie, um die Artenvielfalt zu fördern?

Vollständige Antworten:

Kalb: Artenschutz und Landschaftspflege haben für den Landkreis Bamberg schon immer eine essentielle Rolle gespielt. Deshalb beschäftigt der Landkreis Bamberg als einer von wenigen Kommunen und als freiwillige Aufgabe gleich drei Kreisfachberater. Diese beraten den Landkreis, Vereine und Bürger mit dem Ziel, die Artenvielfalt zu erhalten und die Natur zu schützen. Wir unterhalten eine eigene Streuobstwiese, haben eine eigene Obstsortenanlage mit mehr als 300 alten Apfel- und Birnensorten und betreiben  zum Beispiel mit dem Apfelmarkt wichtige Bewusstseinsbildung.

An Kreisstraßen mähen wir bereits seit Jahren Seitenstreifen so, dass sich Tiere und Pflanzen artgerecht entwickeln können.  Über das Leader-Programm werden 40.000 Samentütchen für Blühpflanzen verteilt und Landwirte beim Anlegen von Blühstreifen unterstützt. Auch mit Umweltschulen, Vorträgen, Seminare und Exkursionen sensibilisieren wir unsere Bürger für den Artenschutz.

Schwarz: Zunächst sehe ich unsere Kommunen und allen voran unseren Landkreis als künftiges Vorbild in Sachen Biodiversität und Artenschutz. Unter anderem das Verbot von Pestiziden auf kommunalen und öffentlichen Flächen (auch verpachteter Grund) ist hier eine Grundvoraussetzung, ebenso wie der Schutz und Ausbau von Biotopen und Blühflächen. Sicher kann hier der Landkreis auch eigene Flächen einbringen.  Als Bürgermeister von Strullendorf konnte ich viele solcher Projekte gemeinsam und im Einklang mit Landwirten, Grundstückseigentümern und dem Amt für ländliche Entwicklung umsetzen. Wir haben anbaufreie Streifen an Gewässern geschaffen und viele Flächen in der Natur entsiegelt. Wichtig ist auch hier die Menschen in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Erfolg hatte ich wegen meiner Prämisse, niemals Eigentum gegen Natur auszuspielen. Ich will beim Thema weiter sensibilisieren, u.a. durch den Ausbau von Beratung im Landratsamt.

Das erstarkte ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung will ich nutzen, zum Beispiel für die Unterstützung der Biolandwirtschaft. Auch Bürgerprojekte kann ich mir hier sehr gut vorstellen. Hierfür gibt es auch Fördermöglichkeiten auf Bundes- und Landesebene.

Fricke: Die Realschulen des Landkreises und die Küche der Krankenhausgesellschaft sollen überwiegend auf regionale Bioprodukte zurückgreifen. Das Strassenbegleitgrün und die Grünflächen des Landkreises sollen nicht mehr gemulcht werden. Zusammen mit den Gemeinden sind regionale Konzepte zu entwickeln, die die Artenvielfalt fördern (Trittsteine, Biotopverbünde), Motto: „Landkreis Bamberg fördert die Artenvielfalt!“. Dafür ist der Bestand an Fachpersonal bei der Unteren Naturschutzbehörde deutlich zu erhöhen, damit die fachliche Unterstützung der Gemeinden gewährleistet ist. Die Gemeinden sind hinsichtlich der Lichtverschmutzung zu beraten. Begleitet werden sollen die Maßnahmen von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen mit der örtlichen Landwirtschaft.

Kellner: Stichwort Landwirtschaft stützen – Umwelt schützen kann ein  Erfolgsrezept sein – Begleitgrünförderung hört sich zwar gut an, ist  aber ökologisch (fast) wirkungslos – an Waldumbau/Aufforstung in  großem Stil mit Aufstockung der Forstämter ist dringend zu  arbeiten…Aktuell wurde kleiner Hainbuchenwald von Bibern zerstört –  was ist zu tun…? Flugverkehr einschränken? In Einflugschneisen  erhebliche nachweisliche Schäden…Kunstdünger weglassen (aus Erdöl  produziert) oder organischer Dünger…?

Im Übrigen: Viele unserer guten Ansätze z.B. bei der Wasserversorgung/Wasser/ Abwasserwirtschaft sind nicht  europarechtskonform – wünsche mir mehr Spielräume vor Ort im Sinne der  Ökologie…

Sieling: Durch das Volksbegehren wurde neben dem eigentlichen Gesetz auch ein wichtiger Diskussionsprozess in Gang gebracht: Wie wollen wir zukünftig leben?

Aus meiner Sicht braucht es nun auf regionaler Ebene in den Landkreisen und Gemeinden neu zu bildende Arbeitskreise, die die Umsetzung des Gesetzes begleiten. Hier können Kommunalpolitiker, Fachleute aus den Verwaltungen und Bauhöfen, Landwirte, Förster, Imker, Fischer und Fachleute aus den Naturschutzverbänden zusammenarbeiten, konkrete Maßnahmen benennen und die Einhaltung überwachen.

Der Landkreis und seine Gemeinden sollten in ihren Einrichtungen (Schulen, Kliniken, Heime) Produkte aus regionaler ökologischer Landwirtschaft verwenden, um auch die Nachfrage anzuregen und so den Umstieg der Bauern zu erleichtern.

Das neue Naturschutzgesetz beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt. Diese gilt es jetzt umzusetzen. Landwirte müssen für ihren Beitrag zum Gemeinwohl (Gewässerrandstreifen, Biotoperhaltung, Tierschutz, Verzicht auf Pestizide) stärker honoriert werden. Tierbestände sollten an die Fläche gebunden sein, um das Gülleproblem in den Griff zu bekommen. Beleuchtungskonzepte müssen im Hinblick auf die Lichtverschmutzung überprüft werden. Die Flächenversiegelung auf privaten Grundstücken sollte prozentual begrenzt werden, Dachbegrünung und wasserdurchlässige Beläge könnte man fördern.

Strube: Ich halte die Ausweitung der biologischen Landwirtschaft für sinnvoll. Regionale Produkte, die die Bürger direkt vor Ort in ihrem Markt einkaufen können sind ein wichtiger Schritt. Als Landrat werde ich in Gesprächen mit Bauern dafür werben, dass sich Betriebe auf biologische Landwirtschaft umstellen.

Zusammenfassung der Antworten:

Kalb: „Artenschutz und Landschaftspflege haben für den Landkreis Bamberg schon immer eine essentielle Rolle gespielt“: z.B. beschäftigt der Landkreis gleich drei Kreisfachberater, unterhält der Landkreis eine eigene Streuobstwiese, hat eine eigene Obstsortenanlage, mäht naturschonend die Ränder der Kreisstraße, verteilt Samentütchen und sensibilisiert durch Öffentlichkeitsarbeit.

Schwarz sieht die Kommunen und den Landkreis als künftiges Vorbild in Sachen Biodiversität und Artenschutz. Er möchte Pestizide auf kommunalen und öffentlichen Flächen (auch verpachteter Grund) verbieten, Biotopflächen ausbauen, Projekte im Einklang mit Landwirten, Grundstückseigentümern und dem Amt für ländliche Entwicklung umsetzen sowie die  Biolandwirtschaft unterstützen.

Fricke hat folgende Ziele: in Kantinen (Realschulen, Krankenhausgesellschaft) überwiegend auf regionale Bioprodukte zurückzugreifen, Strassenbegleitgrün nicht mehr zu mulchen, mit den Gemeinden regionale Konzepte zur Artenvielfalt zu entwickeln, Fachpersonal an der Unteren Natuschutzbehörde zu erhöhen, Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation mit der Landwirtschaft.

Kellner: „Landwirtschaft stützen – Umwelt schützen kann ein  Erfolgsrezept sein.
Möchte an Waldumbau/Aufforstung in großem Stil arbeiten.

Sieling war einer der Sprecher für das Volksbegehren in Bamberg. Aus seiner Sicht braucht es auf regionaler Ebene Arbeitskreise zur Umsetzung des neuen Gesetzes zur Artenvielfalt.
Auch Sieling möchte, dass in Einrichtungen des Landkreises und der Gemeinden Produkte aus regionaler ökologischer Landwirtschaft verwenden werden.
Er plädiert dafür, dass Landwirte für ihren Beitrag zum Gemeinwohl (Gewässerrandstreifen, Biotoperhaltung, Tierschutz, Verzicht auf Pestizide) stärker honoriert werden. Tierbestände sollten an die Fläche gebunden sein.

Strube hält die Ausweitung der biologischen Landwirtschaft und regionale Produkte für sinnvoll.