Klimaschutz und Energiewende

Die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen steigt ständig und wird immer offenkundiger. Auch wenn der Landkreis schon einiges auf den Weg gebracht hat, bleibt noch sehr viel zu tun.

Unsere Fragen:

Wie wollen Sie das Ziel, bis 2035 den Energiebedarf der Region zu 100% aus erneuerbaren Energien zu decken, erreichen?

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die Kommunen in den Bebauungsplänen verpflichtend die Nutzung von Solaranlagen (Wärme und/oder Strom) vorschreiben?

Die 10H-Regelung hat den Windkraftausbau in Bayern abgewürgt. Gemeinden haben allerdings die Möglichkeit, über die Bauleitplanung die 10H-Regelung zu umgehen und somit den Bau von Windkraftanlagen in den Vorranggebieten zu ermöglichen. Werden Sie für diesen Weg bei den Gemeinden werben und diese dabei unterstützen?

Vollständige Antworten:

Kalb: Das Ziel, bis zum Jahr 2035 energieautark zu  werden, haben Stadt und Landkreis Bamberg bereits in der 2008 gegründeten Klimaallianz formuliert. Wir sind hier auf einem sehr guten Weg. Die Regionalwerke setzen ihr Ziel, die erneuerbaren Energien und die dezentrale Energiegewinnung zu fördern, konsequent um. Wir werden  alle öffentliche Gebäude energetisch sanieren und gehen so mit gutem Beispiel voran.

Im Landkreis wird inzwischen 80 Prozent des Strombedarfes über mehr als 6000 Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien gedeckt. Sehr dankbar bin ich deshalb dafür, dass nun auch in die Windkraft wieder Bewegung kommt und zu den bestehenden 35 Windrädern voraussichtlich bald ein weiteres Windrad hinzukommt. Dies unterstütze ich als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes ausdrücklich.

Im privaten Sektor  werden die Förderung des Rückbaus von Heizungen mit fossilen Brennstoffen und die steuerliche Absetzbarkeit der energetischen Sanierung von Einfamilienwohnhäusern der Energiewende  weiteren Schub verleihen. Wir werden nicht müde, bei den Beratungstagen in den Kommunen für jede Form klimaschützender Maßnahmen zu werben. Im Übrigen stelle ich bei vielen Begegnungen immer wieder fest, dass wir eine sehr mündige, fortschrittliche Bürgerschaft haben, die mit großem Engagement die Energiewende unterstützt.

Schwarz: Die Menschen in unserem Landkreis vertreten unterschiedliche Meinungen zum Thema Windkraft und Solar, abhängig auch von Region und Kommune. Wind- und Solarkraft sind zwei Bausteine für die Energiewende vor Ort. Als Landrat muss man diese Meinungen bündeln und zusammenführen. Damit sie auch gelingt, brauchen wir einen Neustart der Regionalwerke mit einer vernünftigen Personalausstattung. Ich will bestehendes Recht nicht durch Tricks umgehen, sondern Lösungen mit den Menschen und Gemeinden finden, sie besser in die Prozesse einbinden und an den Projekten beteiligen. Dafür benötige ich einen Vertrauensvorschuss und dafür werbe ich.

Fricke: Wir müssen die Arbeit für die Energiewende im Landratsamt professionalisieren. Wir brauchen Klimamanager, die die Gemeinden intensiv unterstützen.

Wir brauchen einen deutlichen Ausbau der Wind und Solarenergie in unserer Region! Wir brauchen die Wärmewende (Energieeinsparung im Gebäudebereich, Nahwärmenetze).

Wir brauchen die Mobilitätswende: deutliche Verbesserung der Linienführungen und Taktzeiten für den ÖPNV, das 365, Euro Jahresticket. Förderung von Carsharing, Bürgermobilen, Ruftaxis usw. Ausbau des Radverkehrs.

Der Landkreis kann Bebauungspläne entwickeln, die den Klimawandel berücksichtigen (verdichtete Bebauung, Durchgrünung, regenerative Energien und Nahwärmenetze), die die Gemeinden als Mustervorlage verwenden können.

Gemeinden die den Ausbau der Windkraft über eine Bauleitplanung angehen wollen, werde ich unterstützen. Oberstes Ziel muss aber die Abschaffung der 10h Regelung bleiben. Es gibt genügend Vorranggebiete im Landkreis aus der Regionalplanung, auf die dann zurückgegriffen werden könnte.

Kellner: Holz/Biomasse in Mengen vorhanden – müsste dringend im Sinne  auch der Waldbauern für Wärmeenergie genutzt werden – Übrigens hierzu  Initiative von uns Erhöhung der Kapazitäten für Bioheizwerk Schesslitz  in Höhe von 425.000 € bereits auf dem Weg – ansonsten Wasserkraft  (Markt Rattelsdorf z. B jetzt schon ca. 14 v. H. des Strombedarfes  durch Wasserkraft) Luftwärmepumpen bei unseren neuen Kindergärten  erfolgreich im Einsatz; Blockheizkraftwerke verstärkt nutzen;  unbedingt Wasser in der Fläche zurückhalten/Versickerung vor Ort;  Förderung von Photovoltaik aber auch Solarthermie auf den Dächern  unbedingt voranbringen (habe damit gute Erfahrungen gemacht – bisher  kaum ein Thema; Solarspeicherung z. B. im Haus, um nachts E-Auto zu  betanken – längst technisch möglich –( nutzt niemand) an erster Stelle  steht immer der Konsumverzicht-/einschränkung…Bau von Windkraftanlagen  nur mit der Bevölkerung – dann auch umsetzbar trotz 10 h-Regelung.

Sieling: Wir brauchen dringend eine Änderung in den Bebauungsplänen, die eine Nutzung von Solarthermie, Photovoltaik und Regenwasserzisternen vorschreiben. Das ist Stand der Technik, ich nutze diese Möglichkeiten selbst seit 13 Jahren. Land und Kommunen sollten gemeinsam überlegen, ob es dafür weitere Förderungen geben sollte.

Im Landkreis Bamberg beschränkt sich die sinnvolle Nutzung der Windkraft auf die Höhenzüge im Osten und Westen. Diese Standorte sind, vor allem auf dem Jura, weitgehend gefüllt. Bestehende Lücken sollten noch genutzt werden, am besten unter Beteiligung der Bürger. Neue Anlagen haben heute ganz andere Abschaltmöglichkeiten, z. B. für Sturm, Eis, Fledermäuse, Schlagschatten usw.

Der nächste große Schritt muss aus meiner Sicht durch Photovoltaik auf Haus- und Hallendächern und durch Energieeinsparung kommen.

Strube: Für die Deckung des Strombedarfes aus regenerativen Energien werde ich aktiv dafür werben, dass weitere Standorte für Solaranlagen geprüft werden. Auch die Werbung auf privaten Neubauten Solaranlagen zu errichten halte ich für sinnvoll, dies jedoch zwingend vorzuschreiben halte ich wegen der Schaffung von Wohnraum im Umland von Bamberg wegen des Zuzugs von Bürgern für schwierig (Erhöhung der Bau- oder Mietkosten). Auf öffentlichen Gebäuden sollten Solaranlagen verpflichtend werden.  Ich werde aktiv für Windkraft werben, werde allerdings auch die Autonomie der einzelnen Gemeinden und Ihrer Bürger akzeptieren. Sollten sich Gemeinden für eine Windanlage unter Umgehung der 10H Regelung entschließen, werde ich dieses unterstützen.  

Weiterhin möchte ich die Forschung zur Nutzung von Klärschlamm zur Energiegewinnung unterstützen. Technologieoffenheit für weitere Lösungen zur Sicherung des regenerativen Energiebedarfs ist mir wichtig. Wir müssen nach weiteren Lösungen suchen.  

Zusammenfassung der Antworten:

Kalb sieht den Landkreis beim Erreichen der Klimaziele auf einem „sehr guten Weg“. Explizit nennt er das Engagement der Regionalwerke, die energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude, Beratungstage und den hohen Anteil von erneuerbarer Stromerzeugung.
Er ist dankbar, dass voraussichtlich ein weiteres Windrad im Landkreis gebaut werden wird und unterstützt dies.

Schwarz sieht beim Thema Ausbau von Wind- und Solarkraft unterschiedliche Meinungen und möchte vermitteln. Er plädiert für einen Neustart der Regionalwerke auch mit einer besseren Personalausstattung. Lösungen möchte er mit den Gemeinden und Menschen finden.

Fricke möchte die Arbeit für die Energiewende im Landratsamt professionalisieren. Er tritt für einen „deutlichen Ausbau der Wind und Solarenergie“, eine Wärmewende (Energieeinsparung im Gebäudebereich, Nahwärmenetze) und Verkehrswende (u.a. Ausbau ÖPNV, Radverkehr) ein.
Mit Mustervorlagen möchte er die Gemeinden unterstützen in den Bebauungsplänen den Klimawandel zu berücksichtigen (verdichtete Bebauung, Durchgrünung, regenerative Energien und Nahwärmenetze).
Gemeinden möchte er beim Ausbau der Windkraft über die Bauleitplanung unterstützen. „Oberstes Ziel muss aber die Abschaffung der 10h Regelung bleiben.

Nach Ansicht von Kellner muss „an erster Stelle immer Konsumverzicht/-einschränkungen stehen“. Als Beispiele für Handlungsfelder nennt er die verstärkte Nutzung von Holz/Biomasse, Wasserkraft, Luftwärmepumpen, Blockheizkraftwerke und Photovoltaik/Solarthermie. Den Bau von Windkraftanlagen kann er sich mit der Bevölkerung auch trotz 10 H vorstellen.

Nach Sieling muss der nächste große Schritt in Sachen Energiewende durch Photovoltaik auf Haus- und Hallendächern und durch Energieeinsparung kommen.
„Wir brauchen dringend eine Änderung in den Bebauungsplänen, die eine Nutzung von Solarthermie, Photovoltaik und Regenwasserzisternen vorschreiben.“
Den Windkraftausbau betreffend hat Sieling das Ziel, bestehende Lücken am besten mit Beteiligung der Bürger zu nutzen.

Strube möchte für die verstärkte Nutzung von Solaranlagen und der Windkraft (unter Akzeptanz der Autonomie der Gemeinden) werben. Wichtig ist ihm die Technologieoffenheit.

Bewertung:

Die derzeitigen Maßnahmen in Sachen Klimaschutz reichen bei weitem für keines der Klimaschutzziele aus. Ein Problem bei die Energiewende auch im Landkreis ist die katastrophale Klimaschutzgesetzgebung der Bundesregierung, die in vielen Bereichen den Rahmen setzt.
Kalb hebt häufig den hohen Anteil von 80% von erneuerbar erzeugtem Strom hervor. Dies ist jedoch für einen ländlichen Bereich eher durchschnittlich (Klimaallianz insgesamt bei 50%).
Der Bereich Wärme und besonders der Bereich Verkehr werden häufig außen vor gelassen. Eine Verkehrswende wird nur von Fricke gefordert.
Mit bereits konkreten Vorstellungen wollen Fricke und Sieling die Gemeinden bei der Einbeziehung des Klimaschutzes in die Bebauungsplanung unterstützen. Die anderen Kandidaten äußern sich dazu nicht.
Dem Ausbau der Windkraft über die gemeindliche Bauleitplanung stehen die Bewerber mehr oder weniger offen gegenüber.