Nationalpark Steigerwald

Als in den Wahlprüfsteinen 2014 nach der Unterstützung eines Nationalparks gefragt wurde, war der Tenor, dass man nicht gegen den Willen der Bevölkerung agieren möchte. Offensichtlich sei die Bevölkerung gespalten. Jede Seite nimmt für sich in Anspruch, die Mehrheit zu vertreten.

Unsere Fragen:

Befürworten Sie persönlich einen Nationalpark Steigerwald?

Werden Sie sich für einen Nationalpark einsetzen, auch bei der Willensbildung in der Bevölkerung?

Falls ein Nationalpark nicht umgesetzt wird, unterstützen Sie die Forderung eines 1000 ha großen Schutzgebietes "Hoher Buchener Wald"?

Vollständige Antworten:

Kalb: Ich habe zu Beginn meiner Amtszeit für den Steigerwald das Welterbe als Ziel formuliert. Ich freue mich und bin diesbezüglich dankbar dafür, dass hier eine große Übereinstimmung bei allen beteiligten Landkreisen, Organisationen und Interessenverbänden erreicht werden konnte: Der Steigerwald soll Welterbe werden. Das ist das größte erreichbare Ziel. Dieses Vorhaben verfolgen wir konsequent. Wir haben uns dabei auf die Fahnen geschrieben: Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Mit der Bewerbung für ein Europäisches Kulturerbesiegel gehen wir den ersten großen Schritt. In dem geplanten Welterbe spielt die Natur selbstverständlich eine entscheidende Rolle.  Welterbe ohne Naturschutz ist undenkbar.

Schwarz: Ein Nationalpark oder ein Weltnaturerbe Steigerwald eingebettet zwischen den Weltkulturerbestätten Bamberg und Würzburg hat großes Potential und Chancen für Ökologie, die Menschen und den Tourismus in der Region. Leider diskutierte man bisher überwiegend auf emotionaler Ebene über das Thema. Ich spreche mich aus für eine Machbarkeitsstudie, in der alle Argumente, Chancen und Risiken formuliert und untersucht werden.

Ein Schutzgebiet "Hoher Buchener Wald" macht besonders im Hinblick auf einen Nationalpark oder ein Weltnaturerbe Sinn. Als Landrat will ich den Menschen mögliche Chancen vermitteln, wie wir Wertschöpfung in der Region halten, fördern, zum Beispiel durch Tourismus. Die Regionalwerke können neben der Organisation von Bürgerenergiemodellen auch eine wichtige Rolle beim Umbau der Nutzwälder darstellen. Hier wird viel Holz auf den Markt kommen, dass vernünftig verarbeitet werden muss.

Fricke: Seit dem Altlandrat Dr. Denzler und Herr Sperber, der ehemalige Förster im Steigerwald, die Nationalparkidee vorgestellt haben, unterstütze die Grünen und ich aktiv dieses Ziel! Aufgabe der Politik ist es, ein überzeugendes Konzept für einen Nationalpark oder ein Weltnaturerbe Steigerwald mit einem grossen Schutzgebiet zusammen mit der Bevölkerung zu erarbeiten. Das wäre ein grosser Gewinn für die Natur und die strukturschwache Region Steigerwald. Das Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ ist für den Erhalt der Artenvielfalt ein Muß! Und zusätzlich ein aktiver Klimaschutz.

Kellner: Die Bevölkerung sollte sich mehrheitlich, demokratisch vor Ort  einigen – hilfsweise sollten entsprechende Beschlüsse der Kreistage  der betroffenen Landkreise vorliegen – dann kann Umweltministerium  Nationalpark auf den Weg bringen: Waldschutz von nicht geschädigten Bäumen ist aufgrund der aktuellen Situation in den Wäldern zu begrüßen.

Sieling: Ja, ich befürworte einen Nationalpark Steigerwald. Damit könnte man ein umfassendes Schutzkonzept einrichten. Es würden so auch die Mittel bereitgestellt, um Bevölkerung und Besucher zu informieren und die weitere natürliche Entwicklung des Gebietes zu untersuchen. Die Anwohner hätten auch die Möglichkeit, auf die Gestaltung einer Nationalparkordnung Einfluss zu nehmen. Über die Chancen eines Nationalparks gilt es in Zukunft weiter aufzuklären. Hier leistet der Nationalparkverein gute Arbeit. Angesichts des Zustandes des Waldes in Bayern würde der Freistaat übrigens auch einen vierten Nationalpark vertragen.

Auf dem Weg zum Nationalpark sind auch Zwischenschritte, wie ein Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ sinnvoll. Wir wollen ja keinen Nationalpark wegen des Titels, sondern um die naturnahen Wälder zu schützen! Das Schutzgebiet bestand ja bereits und wurde nicht aus fachlichen, sondern aus politischen Gründen wieder einkassiert. Mein Vorschlag ist: Der Landkreis pflanzt nicht nur für jedes Baby einen Baum, sondern stellt für jeden lebenden Bürger einen alten Baum unter Schutz, vorzugsweise im Steigerwald! 148.000 geschützte Bäume würden lediglich der Einwohnerzahl entsprechen, das ist angesichts des Klimawandels kein naturschutzmäßiger Luxus, sondern ein Anfang.

Strube: Ja ich befürworte einen Nationalpark Steigerwald. Ich war selbst schon im Steigerwald und durfte unter anderem Vertretern Ihrer Organisation zuhören. Ich halte den Nationalpark Steigerwald für ein langfristig wünschenswertes Ziel. Als erstes sollte man jedoch daran arbeiten, dass der Steigerwald Weltnaturerbe wird. Ich bin Mitglied im Verein Nationalpark Steigerwald und werde im Wahlkampf für ein Weltnaturerbe (als 1. Schritt) werben und im Falle einer Wahl intensiv für einen Nationalpark Steigerwald einsetzen. Buchenwälder sind die ursprünglichen Wälder in Deutschland. Nur noch ca. 15% der Wälder sind mit Buchen bewachsen. Da diese deutlich widerstandsfähiger bei der aktuellen Klimaerwärmung als Nadelhölzer sind, sollten der Hohe Buchener Wald sofort geschützt werden und auch im ganzen Steigerwaldgebiet keine 120-jährige Buche (oder älter) mehr gefällt werden dürfen.  

Zusammenfassung der Antworten:

Kalb tritt für ein Welterbe Steigerwald ein, in dem die Natur eine entscheidende Rolle spielen soll. „Mit der Bewerbung für ein Europäisches Kulturerbesiegel gehen wir den ersten großen Schritt.“

Schwarz sieht in einem Nationalpark oder einem Weltnaturerbe große Chancen und spricht sich für eine Machbarkeitsstudie aus. Für ihn macht ein Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ besonders im Hinblick auf einen Nationalpark oder ein Weltnaturerbe Sinn. 

Fricke betont, dass die Grünen von Anfang an einen Nationalpark aktiv unterstützen. Er sieht die Politik in der Pflicht ein Konzept für einen Nationalpark oder ein Weltnaturerbe zusammen mit der Bevölkerung zu erarbeiten. „Das Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ ist für den Erhalt der Artenvielfalt ein Muß!“

Nach Ansicht von Kellner sollte sich die Bevölkerung mehrheitlich einigen, damit das Umweltministerium einen Nationalpark auf den Weg bringen kann.

Sieling befürwortet den Nationalpark und sieht Chancen für die Entwicklung. Er möchte, dass die Anwohner Einfluss auf die Nationalparkverordnung nehmen können. „Auf dem Weg zum Nationalpark sind auch Zwischenschritte, wie ein Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ sinnvoll.“

Strube ist ebenfalls ein Befürworter des Nationalparks Steigerwald. Als erster Schritt möchte er für ein Weltnaturerbe werben. „Der Hohe Buchener Wald sollte sofort geschützt werden und auch im ganzen Steigerwaldgebiet dürfen keine 120-jährige Buche (oder älter) mehr gefällt werden.“

Zusammengefasst ist für Kalb ein Nationalpark und ein Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ kein Thema. Schwarz sieht in einem Nationalpark große Chancen. Fricke, Sieling und Strube treten für einen Nationalpark und ein Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ ein.