Exkursion "Totholz und Pilze"

Winter-Helmling
"Wespennest"

Die Eröffnungsexkursion für die Saison 2017 der Artenschutzgruppe des Bund Naturschutz zog am Sonntag, 26. Februar, wieder mehr als 30 Naturinteressierte in den Michelsberger Wald und Umgebung.

 

Zu Beginn der Exkursion machte Gerhard Spörlein auf die aktuelle Bedrohung für den Hauptsmoorwald aufmerksam. Der östlich von Bamberg gelegene Hauptsmoorwald soll, zumindest nach Plänen der Stadt, einem überdimensionierten Gewerbegebiet weichen. Dieser sogenannte „Gewerbepark an der Geisfelder Straße“ hat nichts mit einem Park zu tun, vielmehr stellt er einen nicht tolerierbaren Eingriff in den bestehenden Wald dar. Das Gewerbegebiet gefährdet damit die Schutzfunktionen des Waldes, wie Lärm-, Klima-, Luft- und Artenschutz.

Eine ähnliche Bedrohung gab es, dem Hinweis von Johannes Först zufolge, bereits Mitte der 1990er Jahre für den Exkursionsbereich Bergwiese am Rande des Michelsberger Waldes durch die sogenannte Bergverbindungsstraße.

Die Teilnehmer konnten sich anhand der geologischen Karte einen Überblick über die Untergrundverhältnisse verschaffen. Die Keuperformationen Burgsandstein, Feuerletten, Rhät und andere entscheiden über den Wasserhaushalt und beeinflussen zudem die sich einstellende Vegetation. Die tonigen Böden und die vorhandene Staunässe auf dem Areal der Bergwiese erlaubten jedoch nur eine Nutzung, die sich Richtung Grünland orientierte. Der Eichen-Hainbuchenwald ist die standortgerechte Waldgesellschaft auf dem Feuerletten und an den Hängen des Rhätolias. Auf den Wiesen in der Umgebung des Ottobrunnens hat sich nach der ehemaligen, mittelalterlichen Nutzung als Weinanbaugebiet die seltene Wildtulpe erhalten, so Först. Der angrenzende Hohlweg, der sein Erscheinungsbild durch den Abtransport des Holzes aus dem Michelsberger Wald erhielt, ist ebenfalls ein Relikt aus dieser Zeit. Die steilen Böschungen des Hohlweges machen eine Holznutzung sehr schwierig, weshalb sich hier Totholzbereiche mit Spechtspuren erhalten haben.

Ein Birkenstamm am Rand des Michelsberger Waldes ist die Grundlage für den Orangeroten Kammpilz und den Zunderschwamm. Bekannt geworden ist letzterer durch den „Ötzifund“. Der Zunderschwamm wurde nicht nur bis zur Erfindung des Streichholzes zum Feuermachen genutzt, sondern dient, so Först, auch heute noch im osteuropäischen Raum (v.a. in Rumänien) als Rohstoff zur Herstellung von Mützen und Taschen. Auf einer benachbarten liegenden Eiche zeigte sich außerdem der Hallimasch, ein Lamellenpilz, der sowohl lebende wie auch abgestorbene Bäume besiedeln kann. Zu dieser Gattung gehört auch das bisher größte bekannte Lebewesen der Welt, das in Oregon (USA) gefunden wurde. Sein Fadengeflecht erstreckt sich dort über eine Fläche von ca. 900 Hektar, sein Alter wird auf ca. 2.400 Jahre geschätzt! Entdeckt wurde dieser Pilz durch ein rätselhaftes Waldsterben. Das beweist, dass Pilze entscheidend an der Zersetzung von organischem Material beteiligt sind.

Martin Bücker zeigte spektakuläre Großkäfer, wie den Eremiten, den Eichenheldbock und den Hirschkäfer. Ersterer, der auch Juchtenkäfer genannt wird, ist eine geschützte FFH-Art (Naturschutzrichtlinie der Europäischen Union), für die wir eine besondere Verantwortung tragen. Die Weibchen legen ihre Eier in den von Pilzen hergestellten Mulm dicker Bäume. Der Käfer verlässt seine Baumhöhle nie, daher der Name. Die Larven des Hirschkäfers, der am „Geweih“ der erwachsenen Männchen erkannt wird, entwickeln sich in alten Wurzelstubben und Stämmen. Sie brauchen ebenfalls Totholz, das durch Pilzbefall zermürbt ist.

Die Teilnehmer waren daher sehr überrascht als sie an den alten Eichenbäumen am steil bergauf ziehenden Kunigundenweg Markierungen an den Großbäumen erblickten, die symbolisch für eine geplante Fällung stehen. Der dazu gestoßene Revierförster Herr Schultheiß, klärte aber auf, dass es sich um Fremdmarkierungen ohne Bedeutung handele und der Baumbestand so erhalten bleibe.

Ein typischer Waldbaum, vor allem an stärker belichteten Stellen, ist die Salweide. Sie wird medizinisch für die Gewinnung der sogenannten Salicylsäure genutzt. Dieser Wirkstoff ist in einer chemisch modifizierten Form im „Aspirin“ heute das weltweit am weitesten verbreitete Medikament, z.B. gegen Kopfschmerzen.

Als krönende Schlusspunkte konnten die Teilnehmer ein Feuchtgebiet mit Exemplaren des Winter-Helmlings und einer Schimmelpilzart namens „Wespennest“ (Tipp: „Schleimpilz Labyrinth“) bewundern. Mit der spektakulären Abendstimmung über Bamberg inklusive Obermaintal endete die diskussionsreiche und informative Exkursion.

 

Walter Haderlein

 

Bienen-Workshop auf der Erba

Kinder der 4.Klasse der Grundschule Stegaurach
Ilona Munique zeigt der Schulkasse eine Bienenwabe
Frischer Honig
 

Am 21.07.2016 fand ein Bienen-Projekt anlässlich der gesammelten Spendenbeiträge für den BUND Naturschutz statt. Zu Besuch war die Grundschule Stegaurach. Die Referendin Ilona Munique und ihr Mann Reinhold Burger, beide Hobby-Imker, erzählten den Kindern viel über das Leben einer Biene. Die Kinder erfuhren dabei viel über die Biene an sich, ihre Arbeit und Funktion und auch über die allgemeinen Aufgaben eines Imkers. Zudem lernten die Kinder, wie wichtig Bienen eigentlich für uns Menschen sind. Ohne ihre Blütenbestäubung könnten wir viel weniger Obst und Gemüse ernten. Den Kindern wurde außerdem auch ein kurzer Film über die Biene gezeigt. Danach bekam jedes Kind einen Fragebogen, den es in Stillarbeit ausfüllen sollte. Das Highlight der Veranstaltung war der Besuch bei den Bienen. Die Kinder konnten so - trotz mancher Ängste - näheren Kontakt zu den Bienen, die durch eine Plexiglasscheibe abgetrennt waren, aufnehmen. Zuletzt durfte jeder noch einmal seinen Finger in frischen Honig stecken.

„Von Küchenschellen und Hexenringen – eine Frühblüherexkursion der Sinne“

Was es im Frühjahr alles zu entdecken gibt, das zeigte der Arbeitskreis Arten- und Biotopschutz des Bund Naturschutz Bamberg am 17.04.2016 bei seiner Führung auf die Warte bei Friesen. Mehr als 30 Exkursionsteilnehmer konnten sich im FFH-Gebiet „Albtrauf von der Friesener Warte bis zur Langen Meile“ verzaubern lassen von der Schönheit des Hangwaldes und des Plateaus mit seinen Magerflächen.

Zu Beginn erklärte Gerhard Spörlein den geologischen Aufbau dieser Schichtstufen-landschaft mit ihren für die Vegetation wichtigen Untergrundverhältnissen.

So zeigten sich Aronstab, Buschwindröschen, Lungenkraut und Frühlingsplatterbse im Buchenwald auf frischem, basenreichem Boden; Sumpfdotterblumen leuchteten gelb aus einem benachbarten Erlen-Eschen-Auwald-Bestand im Quellhorizont des Dogger Alpha.

An dem angrenzenden ehemaligen Bierkeller konnte Martin Bücker den Teilnehmern die kiementragende Larve des Feuersalamanders zeigen. Dessen Weibchen legen im Gegensatz zu denen der meisten anderen heimischen Amphibien keine Eier, sondern setzen weit entwickelte Larven in Quellbäche ab. Wenige Meter weiter zwischen feuchten Wurzelstöcken entdeckte einer der jüngsten Teilnehmer ein ausgewachsenes „Lurchi“-Exemplar. Anhand des gelben Zeichnungsmusters auf der glatten, tiefschwarzen Haut können die Tiere individuell unterschieden werden. Neben der gefleckten gibt es auch eine gebänderte Unterart.

Der erste steile Anstieg im Doggersandstein (Dogger Beta) wurde begleitet von der Vielblütigen Weißwurz und der Türkenbundlilie, dem bereits verblühten Seidelbast und dem flächigen Vorkommen des Wald-Bingelkrautes. Diese Art (wissenschaftlicher Name Mercurialis perennis) erhielt ihren deutschen Namen vom „Pinkeln“, so Spörlein, was durch die Einnahme von Pflanzenteilen stark gefördert wird. Für den wissenschaftlichen Gattungsnamen könnte die schwarz-silbrige Färbung der Blätter beim Trocknen verantwortlich sein, die an Quecksilber, im Englischen „mercury“, erinnert.

Am letzten Aufstieg, der Hangkante unterhalb des Warte-Plateaus mit der Werkkalk-Stufe des Malm, erklärte Erich Spranger den Baumbestand und die Waldnutzung. War im unteren Teil der Bestand überwiegend durch die Rotbuche geprägt, so fielen in dem trockenen, steilen Waldstück vor allem die Sommerlinden ins Auge. Die Nutzung ließ sich im Relief durch eine Vielzahl an Hohlwegen erkennen, die beim Abtransport der Baumstämme ausgeformt wurden. Ebenso konnten die Teilnehmer Hangrutsche erkennen, die mit ihrem Geschiebe die darunterliegenden Erdschichten überlagerten.

Auf dem Plateau wurden die Naturbeobachter, neben einem gigantischen Ausblick über das Regnitztal, mit der zottig behaarten Küchenschelle belohnt. Diese typische Trockenpflanze ist ein Tiefwurzler, der bis zu einem Meter tief ins Erdreich dringen kann. Nebenan zeugten dunkelgrüne Kreise, so genannte Hexenringe, im Magerrasen von radial wachsenden Bodenpilzen. Die Pilze gehen eine Symbiose mit Pflanzen an der Rasenoberfläche ein und bewirken so eine bessere Versorgung mit Wasser und Mineralien, die sich in einer größeren Vitalität der Pflanzen bemerkbar macht.

Letzter Exkursionspunkt war eine Wacholderheide am Rande des Fluggeländes. Zu den Gesängen der überaus seltenen Heidelerche wurden die Naturinteressierten mit hochprozentigem Gin, einem Produkt aus den Wacholderbeeren, überrascht und schließlich, entsprechend beseelt, verabschiedet.