Kinder der Trimbergschule haben keine Angst vor Erde an den Händen!

Wie wächst eine Kartoffel? Wie sieht die Kapuzinerkresse aus? Wann ernte ich eine Zucchini und wie schmeckt eigentlich eine Gelbe Beete?

Diesen Fragen und noch vielen mehr gingen einige Schülerinnen und Schüler der Hugo-von-Trimberg Grundschule über die komplette letzte Gemüsesaison hinweg in der Werkstatt für Nachhaltigen Konsum auf den Grund. Dies ist Teil des nun schon 1,5 Jahre laufenden Umweltbildungsprojekts „Vom Acker auf den Teller“ des Bund Naturschutz Bamberg und der Solidarischen Landwirtschaft Bamberg. Innerhalb dessen wird versucht, verschiedensten Gruppen von Menschen die Nähe zur Natur, ihre Kreisläufe, das Gärtnern und den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln zu vermitteln. So waren die Nachmittagsbetreuerinnen der AWO der Grundschüler begeistert, dies ihren Schützlingen anhand wöchentlicher Kurzausflüge in die Gärten des Ökologischen Gemüsebauversuchsbetriebes der Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Bamberg ebenfalls bieten zu können.

Ab in den Garten!

Die LWG, die selbst regelmäßig Kinderworkshops zum Thema Gärtnern und Garten anbietet, zeigte sich dabei von Anfang an offen. Sie stellte dem Projekt fünf Beete zur Verfügung, die inzwischen schon zu einem kleinen Schulgarten erweitert wurden. Zudem kümmerte sie sich um die Samen, Jungpflanzen und das Werkzeug.  „Wir sind sehr froh, die Trimbergschule bei uns zu haben. Es ist zum einen ein schöner Weg, eine Verbindung zwischen uns und den Bewohnern der Stadt herzustellen.  Andererseits freut man sich einfach immer, wenn die Kinder hier rein rennen und man die Freude sieht, die unser Garten auslöst“, so Birgit Rascher, Versuchsingenieurin an der LWG.

Die Kinder konnten über das Jahr alle Phasen des Gemüseanbaus mitverfolgen, selbst Hand anlegen und verkosten. Die Projektbetreuerin vom BUND Naturschutz Bamberg Carola Reinwald hat im Frühjahr ab April gemeinsam mit den Kindern die Beete angelegt und nach und nach die Pflanzen ausgesät. Bis zum Herbst entstanden so immer mehr Beete die gepflegt, gehackt und gegossen werden mussten. Dafür waren zunächst die Kinder einmal in der Woche verantwortlich. Carola Reinwald kümmerte sich als Saisonkraft noch darüber hinaus um den Garten. „Gut ist, dass die LWG uns bei der Pflege der Beete unterstützt. Vor allem beim Gießen war die Hilfe in diesem Sommer sehr notwendig, da sonst alles vertrocknet wäre. Die Hilfsbereitschaft ist groß und die und Zusammenarbeit sehr gut“, meint Frau Reinwald dankbar.

Mehr als nur in der Erde wühlen!

Die Kinder lernen, welches Gemüse in der Region wächst, wie es entsteht, aussieht und schmeckt. Durch das Verwenden von Werkzeugen wird zudem ihre Motorik geschärft. „Sie erleben, was sie alles schaffen und mit eigenen Händen entstehen lassen können. Sie sehen den Prozess, wie aus einem Samen das Gemüse wird. Lauter kleine Erlebnisse, die sie ihre eigene Wirkungskraft erkennen lassen und ihr Selbstbewusstsein stärken“, beschreibt Carola Reinwald begeistert. Bis zur Ernte wird zudem ihre Geduld auf die Probe gestellt. Besonders freut es Frau Reinwald, dass die Kinder immer sehr neugierig auf das Wachstum des Gemüses sind. „Sie fragen immer gleich, ob sie ‚ihr‘ Gemüse wieder gießen dürfen. Das zeigt auch schon, welches Verantwortungsbewusstsein sie dafür entwickelt haben. Besonders stolz sind sie dann bei der Ernte“. Das Zubereiten und bewusste Essen von Geerntetem steht dabei auch stark im Fokus. Die meisten haben sehr viel Spaß am gemeinsamen Schnippeln und Probieren. Gleichzeitig werden die verschiedenen Vitamine der Gemüsearten und wichtige Aspekte einer gesunden Ernährung besprochen. „Ich habe den Eindruck, dass es den Kindern umso besser schmeckt, wenn man ihnen erklärt, wie gesund das frische Gemüse ist“ strahlt Carola Reinwald. Wenn jemand allerdings keine Lust hat und lieber im Garten spielt, oder Pflanzen und Tiere entdeckt, ist das auch in Ordnung. Das Angebot beruht ganz auf Freiwilligkeit und Selbstständigkeit. Doch umso schöner ist es zu sehen, wie ältere Kinder den neu hinzugekommenen stolz den Garten zeigen, erklären und für die Sache begeistern. „Die Kinder bekommen durch das gemeinschaftliche Gärtnern ein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl und dabei ist es ganz egal, woher sie kommen, im Fokus stehen die gemeinsamen Aufgaben“ stellt die Projektbetreuerin immer wieder fest.

Auf ein Widersehen!

Die diesjährige Erntesaison wurde schon beendet. Auf die Frage, ob es den Kindern im Garten gefallen hatte, bekommt man ein lautes, einstimmiges Jaaa! Was ihnen am besten gefallen hatte? Die Trauben und Wassermelonen! Und ob sie nächstes Frühjahr wieder kommen? Nur wenn es Wassermelonen gibt. Mittlerweile hat das Bayerische Umweltministerium die Fortführung der finanziellen Unterstützung auch für das kommende Jahr zugesagt.  So wird Carola Reinwald mit den Kindern nächstes Jahr wieder Melonen und vieles mehr auf dem LWG-Gelände anpflanzen und alle Beteiligen dürfen sich auf weiteren Erntespaß freuen!

Yvonne Bock

 

 


Selbst geerntet schmeckt am besten

Stegaurach. Üppig war die Ausbeute der zwei Kartoffelreihen nicht. Dafür war der Sommer einfach zu trocken. Umso größer war die Freude über jede Kartoffel, die eine bunt gemischte  Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung  auf dem Mutzershof bei Debring  aus der feuchten Erde grub. Mit einem kleinen Kartoffelfest  beendete die integrative Gartengruppe Ende September die Saison. Sie traf sich seit dem Frühjahr mehrmals auf dem Mutzershof, um Kartoffeln anzubauen, ein Heilkräuterbeet anzulegen und ein Hochbeet aus Paletten zu errichten.

Dieses Gruppenangebot ist  Teil des  Bildungsprojekts „Vom Acker auf den Teller“, das der BUND Naturschutz gemeinsam mit der Solidarischen Landwirtschaft Bamberg durchführt. „Wir wollen, dass Kinder und Erwachsene in Kontakt mit der Erde kommen und die Kreisläufe der Natur kennen lernen. Wir wollen sie fürs Gärtnern begeistern und zeigen, dass es Spaß macht, selbst etwas anzubauen“ so beschreibt Projektmitarbeiterin Carola Reinwald die Ziele. Neben der Vermittlung von Wissen und dem Mitmachen beim Gärtnern ist der Gemeinschaftsaspekt ganz wichtig. Dies gilt auch für die integrative Gartengruppe. Menschen mit und ohne Handicap kommen sich beim gemeinsamen Buddeln in der Erde näher und lernen voneinander. So auch von Alois Lengenfelder. Der aktive Rentner arbeitete viele Jahre in der Gärtnerei der Bamberger Lebenshilfe und konnte sein umfangreiches Wissen und Tipps rund  um Kartoffel  und Co an die anderen Teilnehmer weiter geben.  Marie-Therese  Köbel, die auch in der Naturschutzgruppe der Offenen Behindertenarbeit aktiv ist, war sehr darüber erstaunt, wie Kartoffeln wachsen. „Ich habe gedacht, dass man Kartoffeln pflanzt. Aber jetzt weiß ich, dass die Kartoffeln gesteckt werden und aus der Mutterkartoffel vom Vorjahr die Kartoffeln wachsen.“ Beim Ausgraben der neuen Kartoffeln ließ sich das gut beobachten, denn ab und zu wurde auch noch eine faulige Mutterkartoffel gefunden.

Tanja Würstlein ist mit ihrem Sohn Thorben regelmäßig bei  Aktionen  auf dem Mutzershof dabei. „Mir gefällt, dass es hier so vielfältig ist und ganz unterschiedliche Leute mitmachen können. Und mir ist wichtig, dass Kinder in der Natur sind, von Landwirtschaft etwas mitbekommen und erfahren, wie was wächst.  Die wenigsten kennen  ja überhaupt noch jemanden, der einen Acker hat. Man erlebt hier,  wie viel Arbeit da drin steckt und dass eine Ernte auch mal schlecht ausfallen kann“, beschreibt sie ihre Motivation, bei den Angeboten mitzumachen. Gestartet hat die integrative Gartengruppe aufgrund des verregneten Maiwetters mit Verzögerung, denn lange war der Boden zu nass, um Kartoffeln zu legen.  Sobald es trocken genug war, mussten die Beete vorbereitet werden, die Kartoffeln per Hand gelegt und die Erde angehäufelt werden. Danach hieß es warten, bis die Kartoffelpflanzen sich aus der Erde reckten. Im Sommer wurden bei großer Hitze und Trockenheit Unkraut gezupft und Kartoffelkäfer abgesammelt. Und Ende September nun endlich die lang ersehnte Ernte. Marcel Banzer war bei allen Arbeiten mit dabei. Besonders Spaß machte ihm, zum Saisonabschluss das Kartoffelfeuer anzuschüren.  Dafür hatte er extra aus der Lebenshilfewerkstatt Anzünder, die dort aus Recyclingmaterial hergestellt werden, mitgebracht.

Bei jedem Treffen der integrativen Gartengruppe gab es auch etwas zu essen, das aus frischen Zutaten gemeinsam zubereitet und an einer großen Tafel verspeist wurde.  Zu dem kleinen Abschlussfest kamen natürlich die leckeren Knollen aus dem Kartoffelfeuer auf den Teller. Mit der Kräuterbutter, die vor Ort mit frisch geernteten Gartenkräutern zubereitet wurde, waren sie  einfach köstlich und viel zu schnell alle. „Selbst geerntet schmeckt halt am besten“, so das Fazit einer Teilnehmerin.

Christine Hertrich