(Foto: Topfklao)
(Foto: Tomaž Demšar aus der slowakischen Wikipedia)

Igelschutz- Aber richtig!

Ein willkommener Gast im heimischen Garten ist der Igel. Wer freut sich nicht, wenn er an lauen Sommerabenden eine Igelfamilie schnaubend und schmatzend durch den Garten wandern hört, die sich über Schnecken, Käfer und Würmer hermacht. Die kleinen Stacheltiere sind oft so beliebt, dass Menschen ihnen gerne helfen möchten indem sie die Igel füttern oder vermeintlich kranke Tiere ins Haus aufnehmen. Aber Igel sind nun einmal Wildtiere und keine Haustiere, weshalb ihnen zuviel Zuwendung auch oft zum Verhängnis werden kann. 

Igel sind relativ standorttreue Einzelgänger, die gerne in strukturreichen Gebieten mit einem vielfältigen Nahrungs- und Versteckangebot leben. Sie bewohnen Landschaften mit Hecken, Feldgehölze, Waldränder, Brachflächen und Mischwälder. Obwohl der Igel ein Wildtier ist hält er sich gerne in der Nähe von Menschen auf. So begegnet man ihm in Gärten, Streuobstwiesen und Parks. Die nachtaktiven Tiere verstecken sich tagsüber unter Sträuchern oder in Laubhaufen. In der Dämmerung verlassen sie ihre Verstecke und machen sich auf die Suche nach Schnecken, Asseln, Käfern und Würmern. Auch Eier und kleine Wirbeltiere, wie z.B. Mäuse, zählen zu ihrer Nahrung. 

Ab Ende Oktober, Mitte November halten Igel Winterschlaf. Alle ihre Körperfunktionen werden in dieser Zeit zurückgefahren: Die Körpertemperatur sinkt auf sechs Grad und das Herz schlägt langsamer. Zuvor nehmen die Tiere vermehrt kohlenhydratreiche Nahrung zu sich - wie Samen, Nüsse, Fallobst und Beeren - um sich eine Fettschicht als Kälteschutz und Nahrungsreserve anzufressen. Die Überwinterungsverstecke für den Igel müssen frostfrei sein, solche Stellen sind in den heutigen "sauberen" Gärten oft schwer zu finden. 

Helfen können Sie dem Igel indem Sie in Ihrem Garten Kompost-, Laub- und Reisighaufen oder Holzstapel anlegen. Auch können Sie dem Igel beim Endspurt in den Winterschlaf mit etwas Futter unterstützen. Eine Mischung aus Hunde- oder Katzenfutter, Haferflocken, Bananen, abgebratenen Hackfleisch(möglichst ungewürzt) und Wasser ist dafür optimal. Milch und Obst bekommt dem Igel nicht! Milch verursacht Durchfall und Obst enthält zu wenig Kalorien. Im Extremfall können Igel mit einem vollen Obstmagen verhungern.

Füttern Sie den Igel niemals mit gewürzten oder gesalzenen Speisen, Kuchen, Süßigkeiten, Milch, Brot, Wurst oder Käse!


(Foto: Michael Gäbler)

Was tun wenn man einen Igel findet?

Igel sind und bleiben Wildtiere, deshalb sollten gesunde Tiere keinesfalls aufgelesen und mit nach Hause genommen werden. Kranke Tiere erkennen Sie an einem ungewöhnlichen Verhalten, wenn der nachtaktive Igel zum Beispiel tagsüber in der Sonne sitzt oder nach Wintereinbruch im Garten herumirrt. Igel mit einem Gewicht über 400g sollten nicht aufgenommen werden und allgemein sollten Sie keine Tiere vor November aufnehmen.

Verletzte Igel, Igelsäuglinge mit geschlossenen Augen und Ohren, die tagsüber ausserhalb ihres Nests angetroffen werden, sowie herumirrende Igel nach Wintereinbruch gehören zu den Patienten, die menschliche Hilfe benötigen.

Untersuchen Sie das Tier vorsichtig auf Verletzungen. Unterkühlte Igel, deren Bauchseite kälter ist als Ihre Handinnenfläche sollten auf eine mit einem Frottierhandtuch umwickelte Wärmeflasche in einen zugedeckten Karton gesetzt werden. In jedem Fall sollten Sie sobald wie möglich einen Tierarzt aufsuchen oder das Tier in eine Igelstation bringen. Die zuständige Station in Bamberg und Umgebung finden Sie hier.

Die Aufnahme eines Tieres zur Überwinterung sollte nur in Ausnahmefällen erfolgen! Die Gefangenschaft löst beim Igel Stress aus und die Beschaffenheit eines Winterquartiers ist nur schwer nachzuahmen. Ist es zu warm fällt der Igel nicht richtig in den Winterschlaf und verbraucht zu schnell seine Energiereserven. Auch das Freilassen im Frühjahr ist eine schwierige Angelegenheit: Werden junge Igel zu spät ausgesetzt sind die meisten Reviere schon besetzt und die Tiere müssen in ungünstige, oft weit entfernte Gebiete umsiedeln. Hinzu kommt, dass die Jungtiere kaum Jagderfahrung haben, da sie ihr Essen bisher immer mundgerecht serviert bekommen haben.

Daher noch einmal die Bitte: Nehmen Sie gesunde Tiere bitte nicht mit nach Hause.

Wenn Sie den kleinen Stacheltieren trotzdem helfen wollen, können Sie dies tun indem Sie Ihren Garten igelfreundlich gestalten. Lassen Sie Laub, Gestrüpp und abgetrennte Äste einfach in einer Gartenecke liegen. Auch Holzstapel bieten ideale Unterschlupfmöglichkeiten. Ein gut zugänglicher Komposthaufen mit organischen Abfall wird von den Igeln gerne zur Aufwertung des Speiseplans genutzt. Während der Nahrungssuche streifen Igel nachts oft weit umher, sorgen Sie deshalb dafür, dass Ihr Gartenzaun leicht durchlässig ist. Sichern Sie Kellerschächte, Gruben, Schwimmbecken und Teichränder und verzichten Sie auf Gift in Ihrem Garten. Ausserdem freuen sich die Tiere über eine kleine Schale mit frischem Wasser zum trinken. 

Eine Zusammenfassung mit nützlichen Tipps zu Igeln finden Sie hier.