Mit Ökostrom zur Energiewende

Was leisten die regionalen Ökostromanbieter?

Ökostrom oder zumindest einen Ökostromtarif bieten heute viele Energieversorger an. Nicht alle diese Angebote sind jedoch sinnvoll, manche sind eher Marketingtricks. Entscheidendes Kriterium ist der Zubau von Erneuerbaren Kraftwerkskapaziäten. Echte Ökostromanbieter erzeugen auch selber keinen Atom- und Kohlestrom und vermarkten auch keinen Atom- und Kohlestrom bzw. sind sie nicht mit Stromversorgern verflochten, die Kohle- und Atomkraftwerke betreiben bzw. diesen Strom vermarkten. Wie schaut es mit den Anbietern aus der Region Bamberg aus?

Stadtwerke Bamberg und Ökostrom

Seit 2014 beziehen die Stadtwerke Bamberg 100% Ökostrom aus Wasserkraftwerken und nicht mehr aus Atomkraftwerken und fossilen Kraftwerken. Dies ist sehr erfreulich. Mit Energiewende hat das aber nur bedingt etwas zu tun, denn der Strom kommt ausschließlich von alten Wasserkraftwerken. Entscheidend für eine Energiewende ist der Zubau von Erneuerbaren Kraftwerkskapazitäten. Beim Tarif bambergStromnatur investieren die Stadtwerke zwar 0,5 Cent pro kWh in erneuerbare Energien. Die Stadtwerke haben jedoch nur wenige eigene Erzeugungsanlagen und haben in den letzten Jahren auch nur relativ wenige zugebaut. Dies verdeutlichen die folgenden Zahlen:

Der Strombedarf in Bamberg liegt ungefähr bei 560 GWh (Gigawattstunden = Millionen kWh). Viele Industriebetriebe beziehen ihren Strom jedoch nicht von den Stadtwerken. So verbleiben ungefähr 260 GWh, die die Stadtwerke an ihre Kunden liefern. Davon erzeugen die Stadtwerke ungefähr 8,5 GWh in eigenen Anlagen mit Erneuerbaren Energien. Das sind leider nur sehr geringe 3%! Die Stadtwerke sind z.B. mit relativ geringen Anteilen an einigen Windkraftanlagen beteiligt und nennen einige Solaranlagen ihr Eigen (z.B. auf dem Bambados oder am P&R-Platz Kronacher Straße). Der überwiegende Teil des verkauften Stroms wird von alten Wasserkraftwerken gekauft. Das Vierether Wasserkraftwerk, das bereits seit 1925 besteht, liefert dabei 30 GWh. Der große Rest kommt aus verschiedenen Wasserkraftwerken aus Europa. 

Entscheidend für eine Energiewende ist nicht der Verkauf von Strom aus Alt-Wasserkraftwerken, sondern der Zubau von Kraftwerken auf Grundlage von Erneuerbaren Energien. Hier erwarten wir zukünftig deutlich mehr Engagement. Die Stadtwerke haben bereits angekündigt ihr Erneuerbaren-Portfolio stärker auszubauen. Angesichts des Ziels der 100%igen Energie-Autarkie bis 2035 der Klimaallianz Bamberg Stadt & Land gibt es noch viel zu tun.

Nebenbei bemerkt: Auch im Wärmebereich sind die Herausforderungen groß. Hier sollten nur noch nachhaltige Lösungen umgesetzt werden. In der Stadt betreiben die Stadtwerke bereits ein großes und einige kleine Fernwärmenetze auf Grundlage der energieeffizienten Kraftwärmekopplung. Dies ist ein Vorteil und eine gute Ausgangsbasis für mehr Klimaschutz. Auch das Modellprojekt "Lagarde" ist zukunftsweisend. Im Verkehrsbereich stehen wir noch ganz am Anfang.

Ökostrom tarif der Regionalwerke

Die Regionalwerke Bamberg GmbH bieten in Kooperation mit Bayernwerk Regio Energie GmbH den Ökostromtarif „Bamberg regional“ an. Dabei übernimmt Bayernwerk die EEG-Direktvermarktung von einigen Anlagen im Landkreis und verkauft diesen Strom an Endkunden. Auch wenn diese regionale Vermarktung charmant ist, kommt es dadurch nicht zu einem Zubau von EE-Anlagen. 

Bayernwerk ist eine 100%ige Tochter des Eon-Konzerns. Eon ist hauptsächlich in den Bereichen Energienetze, Energiedienstleistungen, erneuerbare Energien und dem Betrieb und Rückbau deutscher Atomkraftwerke tätig. Durch einen Megadeal mit RWE haben sich die beiden Konzerne die Energiemärkte untereinander aufgeteilt. Stromerzeugung und Großhandel sollen sich bei RWE und das Netz- und Endkundenvertriebsgeschäft bei Eon konzentrieren. Dadurch entstehen wieder - stärker als vor der Strommarktliberalisierung – marktbeherrschende Stellungen. Das verheißt nichts Gutes für eine dezentrale Energiewende in Bürgerhand.

Weitere Ökostromanbieter

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von sinnvollen Ökostromangeboten. Die bekanntesten, bundesweit tätigen Anbieter sind greenpeace energy, Elektriziätzwerke Schönau und Naturstrom.

Gerade Naturstrom hat im Landkreis Bamberg einige Wind- und Solarparks gebaut. Zu den schon seit einigen Jahren Strom produzierenden Bürgerwindparks Wattendorf sowie Scheßlitz-Königsfeld sind im Jahr 2020 noch zwei neue Solarparks entlang der A70 bei Roßdorf am Berg und bei Stadelhofen dazu gekommen. Zusammengerechnet können diese Anlagen rund 40.000 Dreipersonenhaushalte versorgen. Rechnerisch produzieren die vier Öko-Kraftwerke in der Region damit zukünftig eine Strommenge, die ca. 50 Prozent des Verbrauchs aller Privathaushalte im gesamten Bamberger Landkreis entspricht.

Erich Spranger