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Tiefensammler Bamberg Ost: BUND Naturschutz warnt vor Kahlschlag und einseitiger Betonlösung

Beim Ortstermin am Adenauerufer haben Aktive der BUND Naturschutz Kreisgruppe Bamberg sowie Bürger*innen mit einem Banner auf die Folgen des geplanten Tiefensammlers für Bäume, Klima und Stadtentwicklung aufmerksam gemacht.

05.02.2026

Der Tiefensammler soll Starkregen besser puffern und einen Teil der Regenüberläufe in den Kanal reduzieren, erreicht aber maximal eine Auslegung bis etwa HQ 50, also einem Hochwasserereignis, das statistisch einmal in 50 Jahren auftritt – Extremereignisse und alle Probleme des überlasteten Mischwassersystems im Bamberger Osten löst er nicht. Zudem leitet er Regenwasser schnell und tief ab; was zwar beim Hochwasserschutz hilft, aber im Sommer die Hitzebelastung verschärft, weil Wasser fehlt, das in Böden und Vegetation gespeichert und verdunstet werden könnte.​

„Der Tiefensammler wird als technische Allzweckwaffe verkauft, dabei ist er nur ein Baustein im Hochwasserschutz – und einer, der im Sommer die Stadt zusätzlich austrocknet“, kritisiert Erich Spranger, Vorsitzender der Kreisgruppe Bamberg des BN. „Unser Foto zeigt, was wirklich zählt: Bäume, Schatten und lebendige Grünstrukturen direkt dort, wo Menschen wohnen.“ 

Besonders brisant für den BN ist die geplante Fällung von rund 50 Bäumen am Adenauerufer für Baustelleneinrichtungsflächen. Hinzu kommt, dass durch Baustellenlogistik und schwere Fahrzeuge Wurzelräume verdichtet werden können und eine mögliche Grundwasserabsenkung weitere Bäume schädigen oder absterben lassen könnte – betroffen wären dann deutlich mehr Bäume als die jetzt schon sicher zur Fällung vorgesehenen. Besonders heikel sind mögliche Eingriffe in den Grundwasserhaushalt: Wird der Grundwasserspiegel für den Bau des Tiefensammlers abgesenkt, kann das nicht nur Bäume schädigen, sondern auch die Standsicherheit von Gebäuden beeinträchtigen und bestehende Brunnen im Einzugsgebiet gefährden. Solche Maßnahmen müssen umfassend hydrogeologisch geprüft werden; der BN erwartet hier eine frühzeitige, transparente Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange.

Eigentlich sind Bäume, Grünflächen und Gewässer – also grüne und blaue Infrastruktur – das wichtigste Instrument, um Städte klimaresilient zu machen. Gerade im Osten Bambergs ließen sich mit den für das Bauprojekt veranschlagen rund 100 Millionen Euro, die der Tiefensammler kosten soll, flächendeckende Maßnahmen umsetzen: etwa Entsiegelung und Versickerungsflächen in Höfen, Parkplätzen und auf öffentlichen Plätzen, begrünte Dächer und Fassaden an öffentlichen Gebäuden, Regengärten und Rückhalteflächen entlang von Straßen sowie zusätzliche Baumreihen mit großkronigen Arten. „Solche Maßnahmen wirken im gesamten Bamberger Osten: Sie halten Wasser vor Ort zurück, mindern Überläufe, kühlen die Umgebung und schaffen Aufenthaltsqualität – und zwar dort, wo die Menschen unter Hitze und Starkregen am meisten leiden“, betont Jonas Kaufmann, Anwohner der Wunderburg und hauptamtlicher Referent beim BN-Landesverband.

Kritisch ist auch die bisherige Beteiligung der Öffentlichkeit. In den angrenzenden Wohngebieten sei erst durch jüngste Berichte und Aktionen deutlich geworden, welche massiven Eingriffe am Adenauerufer für Baustelleneinrichtungen und Trassen vorgesehen sind, obwohl die Stadt seit Jahrzehnten um die Sanierungsbedarfe ihres Mischwasserkanalsystems weiß und laut Wasserwirtschaftsamt langfristig sogar auf ein Trennsystem umstellen muss. Dennoch werde über ein Großprojekt entschieden, das im Kern auf alten Beschlüssen basiert, ohne dass die Bevölkerung frühzeitig und transparent einbezogen wurde.

Hinzu kommt: Eine vor knapp einem Monat vom BN eingereichte Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz zu Bemessungsgrundlagen, Variantenvergleich und Alternativenprüfungen ist bis heute unbeantwortet. Die Stadt verweist in ersten Reaktionen auf den Umfang der Unterlagen, obwohl sie sich öffentlich auf eben diese Grundlagen beruft. „Wenn Unterlagen, mit denen ein Projekt als ‚alternativlos‘ begründet wird, auf Nachfrage zu umfangreich sein sollen, um schnell zur Verfügung gestellt zu werden, wirkt das wie eine Hinhaltetaktik – und nicht wie echte Beteiligung“, so Kaufmann weiter. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Auseinandersetzung mit dem Tiefensammler aus der heißen Phase der Kommunalwahl herausgehalten werden soll – das ist unredlich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.“

Der BN stellt klar: Sollte die Stadt den Tiefensammler trotz aller Bedenken politisch weiter durchsetzen, darf dies nur unter strikten Bedingungen geschehen. Massive Eingriffe in Bäume, Biotope und Grünzüge müssen mehr als nur ausgeglichen werden; am Ende braucht es am Adenauerufer und im gesamten Bamberger Osten nachweislich mehr Schatten, mehr Grün, zusätzliche Retentionsflächen und bessere Bedingungen für Fuß- und Radverkehr als heute – nicht nur eine Wiederherstellung des Status quo. Diese Aufwertungs- und Ausgleichsmaßnahmen müssen vor Baubeginn rechtlich verbindlich festgelegt, finanziell abgesichert und transparent gemacht werden. Für eine Stadt, die Klimaschutz ernst nimmt, muss abschließend festgehalten werden, dass es ein Armutszeugnis ist, sich damit zu brüsten, dass der Autoverkehr von den Baumaßnahmen unbehelligt bleibt, während eine ihrer wichtigsten Achsen für Fuß- und Radverkehr sowie der Naherholung für Jahre ersatzlos eingeschränkt wird.