„Kleine fränkische Wüstentour“

Zu einer „heißen“ Exkursion hatte die Artenschutzgruppe des Bund Naturschutz Bamberg am 28. Juni eingeladen.

Es sind ganz besondere Lebensräume, die sich den Teilnehmenden an diesem Nachmittag zeigten. Sandböden sind gekennzeichnet durch das trockene, heiße und nährstoffarme Substrat, das locker ist, wenig Halt bietet und bei stärkeren Winden weitergeweht werden kann.

Wer hier überleben will, muss besondere Tricks anwenden, so Gerhard Spörlein. Bei den Pflanzen sind dies z. B. das Silbergras, die Sand-Grasnelke oder das Berg-Sandglöckchen. Eine Strategie kann - wie beispielsweise bei der Sand-Grasnelke - die Reduzierung der Blattoberfläche sein, um möglichst wenig Verdunstungsfläche zu besitzen. Eine andere Angepasstheit ist die Ausbildung eines ausgeprägten Wurzelsystems, das die Nutzung des spärlichen Wasserangebots gewährleistet, wie beim Silbergras.

Für die tierischen Wüstenbewohner gilt es ebenso, den extremen Bedingungen am Standort zu trotzen. Der Dünen-Sandlaufkäfer hat die Strategie, seine Beine möglichst lang und die Entfernung von der heißen Erdoberfläche zu seinem Körper möglichst groß zu machen. Es gibt aber auch Räuber, die den sandigen Untergrund nutzen, wie es der Ameisenlöwe macht. Es handelt sich hierbei nicht um eine mit Zähnen und Klauen bestückte Raubkatze, sondern um die Larve der Ameisenjungfer (ein Insekt, das zu den Netzflüglern gehört). Dieser baut Trichter in den Sand und bewirft in der Beutegrube seine Opfer mit Sand. Mit seinen Zangen werden die so geschwächten Beutetiere erlegt.

Dass diese Lebensräume höchst bedroht sind, davon konnten sich die Naturinteressierten überzeugen. Gerade mal ein Prozent der ursprünglichen Fläche im Gebiet der Flusstäler Regnitz, Pegnitz und Rednitz sind noch erhalten, so Walter Haderlein.

Um diese Restflächen zu sichern wurde im Jahr 2000 das Naturschutzprojekt „Sandachse Franken“ gestartet. Auf 2000 Quadratkilometern erstreckt sich das Gebiet vom Norden Bambergs bis in mittelfränkische Weißenburg. Dass die Zerstörung dieser bedrohten Lebensräume aktueller denn je ist, zeigt die Planung der Stadt Bamberg, auf der Muna und dem Schießplatz aus den Konversionsflächen ein Gewerbegebiet zu machen.

Als ein positives Beispiel für die Schaffung neuer Sandflächen wurde ein Flussabschnitt an der Regnitz gezeigt. Die Ufer wurden teilweise entsteint, der Oberboden wurde abgetragen und das sandig-kiesige Material in die eingetiefte Regnitz geschoben. Der Fluss hat nun wieder die Möglichkeit und den Raum, seine Ufer und sein Bett selber zu gestalten. So entstanden natürliche Steilufer und Abbruchkanten, Sandbänke und feucht-sandige Flussufer. Ein kleines Paradies für Natur und Mensch.

Sand kann auch Basis für unsere Auwälder sein. Der Hain mit seinen mächtigen Eichenbäumen ist einer der letzten Vertreter des Lebensraumes Hartholzaue, so Martin Bücker. Im Unterschied zur Weichholzaue, die regelmäßig und über einen längeren Zeitraum überflutet werden kann, liegt die Hartholzaue höher. Die Behausung eines fränkischen „Ureinwohners“, des Heldbocks, hatte Bücker in einer der mächtigen Eichen entdeckt. Lebende Vertreter dieser beeindruckenden Art, die auch Großer Eichenbock genannt wird, gibt es in ganz Bayern nur noch in Bamberg!

 

Die Bilder zeigen:

Silbergras, typischer Vertreter des Lebensraumes „Offensande“ (Foto: Gerhard Spörlein)

Berg-Sandglöckchen mit Schachbrettfalter (Foto: Gerhard Spörlein)

Weibchen des Heldbocks (Foto: Martin Bücker)