(Foto: Nugatto)
(Foto: Romate)

Jungvogel gefunden - Was tun?

Viele Menschen bekommen Mitleid wenn sie bei einem Spaziergang oder im Garten einen vermeintlich verwaisten Jungvogel außerhalb seines Nestes entdecken. Jedoch sollten Sie nicht voreilig handeln und den Jungvogel sofort mit nach Hause nehmen. In den meisten Fällen handelt es sich nicht um "verlassene" Jungvögel, sondern um junge Nestflüchter, die das Nest der Eltern verlassen haben und sich zum Schutz vor Feinden auf dem Gelände verteilen. Dabei stehen sie durch Lock- und Bettelrufe mit ihren Eltern in Verbindung. Zu den Nestflüchtern gehören beispielweise Enten, Gänse, Schwäne, Wat- und Hühnervögel sowie Rallen. 

Weitere Informationen zur Unterscheidung von Jungvögeln können Sie ausführlich hier nachlesen.

Hier einige Tipps für den Fall, dass Sie tatsächlich einen Jungvogel in Not gefunden haben:

Nackter oder kaum befiederter Vogel

Sie haben einen nackten oder kaum befiederten Jungvogel entdeckt, der sich außerhalb seines Nestes befindet. Hierbei handelt es sich um einen Nestling, der dringend Ihre Hilfe benötigt, da er außerhalb des Nestes nicht gewärmt und gefüttert werden kann. Ausserdem ist er schutzlos seinen Fressfeinden ausgeliefert. Durchsuchen Sie die nähere Umgebung der Fundstelle nach dem Nest des Jungvogels und legen Sie das Küken vorsichtig wieder hinein. Entgegen der landläufigen Meinung versorgen die Eltern ihren Nachwuchs weiterhin, auch wenn er in Kontakt mit Menschen gekommen ist. Vögel haben im Vergleich zu anderen Tierarten einen eher schlechten Geruchssinn und stören sich nicht daran, wenn ihr Nachwuchs nach "Mensch" riecht. 

Vollständig befiederter Jungvogel

Sie haben einen jungen Vogel gefunden, der schon vollständig befiedert ist und am Boden oder in einem Gebüsch sitzt; es handelt sich hierbei wahrscheinlich um einen sogenannten Ästling. Auch wenn der Vogel einen gesunden Eindruck macht und Sie Zweifel hegen, ob er von seinen Eltern versorgt wird, können Sie dies einfach kontrollieren: Verstecken Sie sich soweit weg wie möglich von dem Jungvogel und beobachten Sie ihn mindestens eine Stunde lang - besser zwei Stunden. Ruft er laut, so wird nach einiger Zeit ein Elternteil heraneilen und Futter bringen. Nun können Sie sich sicher sein, dass der Jungvogel keinesfalls verlassen ist und Ihre Hilfe benötigt.

Achtung! Eine Ausnahme bilden hierbei Mauersegler! Ein Mauersegler - ob jung oder alt - der am Boden aufgefunden wird, benötigt immer Ihre Hilfe! Falls Sie einen Mauersegler in Not finden, wenden Sie sich bitte an die zuständige Auffangstation.

Jungvogel an einem gefährlichen Ort gefunden

Sitzt ein Jungvogel an einem gefährlichen Ort, beispielsweise einer Straße, können Sie ihn aufnehmen und an einen sicheren Ort, wie z.B. ein Gebüsch, bringen. Wie bereits erwähnt stören sich die Elterntiere nicht am menschlichen Geruch. Achten Sie jedoch darauf, den Jungvogel im Umkreis von maximal 25m wieder auszusetzen, dort wird er von seinen Elterntieren vermutet und kann durch Rufe auf sich aufmerksam machen.

Verletzten Jungvogel gefunden

Sollten Sie einen verwundeten Nestling gefunden haben, befindet er sich in akuter Lebensgefahr. Ihm seinen Schicksal zu überlassen wäre das Todeurteil für den Jungvogel, aber auch mit dem  Zurücksetzen in das Nest der Eltern hat er geringe Überlebenschancen. Der Jungvogel sollte in menschlicher Obhut gepflegt und von einem Tierarzt untersucht werden.

Für den Fall, dass Sie einen verwundeten Ästling gefunden haben, untersuchen Sie das Tier gründlich. Ist es nur eine leichte Verletzung wird sie schnell abheilen und der Vogel ist bald wieder gesund. Falls Sie dem Jungtier trotzdem helfen wollen, können Sie folgenden Versuch unternehmen: Bringen Sie den Vogel zu seinem Fundort und stülpen Sie ein großes Käfigoberteil zu seinem Schutz darüber. Bitte füttern Sie den Vogel nicht, durch seine Rufe werden die Eltern angelockt und die Fütterung findet weiterhin - auch durch den Käfig hindurch - statt. Nachdem die Verletzung abgeheilt ist, kann er getrost wieder in die Obhut seiner Eltern übergeben werden.

Falls die Verletzungen vom Angriff eines Säugetiers stammen, beispielsweise einer Katze, ist besondere Vorsicht geboten, da mit dem Speichel gefährliche Krankheitserreger in den Blutkreislauf des Vogels gelangt sein könnten.

Ihre Katze hat einen Jungvogel nach Hause gebracht

Manchmal kommt es vor, dass Katzen mehr oder minder verletzte Jungvögel oder auch Altvögel mit nach Hause bringen. In solchen Fällen handelt es sich um einen akuten Notfall, da durch die kleinsten Risse in der Haut des Vogels lebensgefährliche Krankheitserreger über die Mundschleimhaut der Katze übertragen werden können. Ein vogelkundiger Tierarzt kann in solchen Fällen meist helfen, indem er dem verletzten Vogel Antibiotikum gibt. Die Adressen für Tierklinken in Bamberg und Umgebung, sowie die Auffangstationen für Vögel finden Sie hier.

Ausführliche Informationen zu Jungvögeln in Not und zur Vogelaufzucht finden Sie auf der Seite wildvogelhilfe.org


(Foto: Wolfgang Köhler)
(Foto: Rodrigomorante)

Vogelfütterung im Winter

Im Winter stellen sich viele Tierfreunde die Frage, ob sie die bei uns überwinternden Vögel bei ihrer Futtersuche unterstützen sollen.

Die Gegner der Winterfütterung, sind der Meinung, dass die Vogelfütterung einen unkontrollierten Eingriff in die natürliche Auslese darstellt. Durch die Fütterung werden kranke und schwache Tiere durch den Winter gebracht, die normalerweise sterben würden. Außerdem werden nur Vogelarten unterstützt, die dies nicht notwendig hätten, da sie in ihrem Bestand nicht gefährdet sind. Gefährdete Arten hingegen werden weiter zurückgedrängt. 

Die Befürworter der Vogelfütterung halten dagegen, dass die Umweltbedingungen heutzutage für unsere Vögel ohnehin schon schlecht genug wären, so dass es auf den Schutz jedes einzelnen Tieres ankommt. Durch die Unmengen an Pestiziden, die jährlich von Landwirten und auch Kleingärtnern versprüht werden, wurde die Anzahl der Insekten, die von den Vögeln gefressen werden, gemindert. Auch die giftigen Chemikalien in überlebenden Insekten können den Vögeln zum Verhängnis werden. Werden diese Insekten gefressen, lagern sich die Gifte im Fett der Vögel an und werden in kalten Nächten, wenn die Vögel von diesen Fettreserven zehren freigesetzt, wodurch sie qualvoll zugrunde gehen können.

Einige Befürworter sprechen sich sogar für eine ganzjährige Fütterung der Vögel aus. Sie argumentieren unter anderem damit, dass durch die Intensivierung der Landwirtschaft das Nahrungsangebot für Vögel auch im Sommer immer geringer geworden ist. Hinzukommt, dass durch die Abholzung von Hecken und Sträuchern im Rahmen von "Flurbereinigungen" die Vögel ihren natürlichen Lebensraum verlieren und auch die Brut- und Versteckmöglichkeiten in den Gärten immer weniger werden. Angesichts dieser Probleme, kann von einem "natürlichen Ausleseprozess" im Winter kaum noch gesprochen werden. 

Eine richtige und artgerechte Fütterung führt zu keiner Benachteiligung der seltenen Arten. Wichtig ist dabei: Wenn gefüttert wird, sollte dies umbedingt zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und mit dem richtigen Futter geschehen. Unsachgemäße Fütterung schadet den Tieren mehr als gar keine Fütterung. 

Was sollte gefüttert werden?

Unsere einheimischen Singvögel werden in zwei Gruppen eingeteilt: Die Körner- und die Weichfutterfresser.

Zur Gruppe der Körnerfresser gehören unter anderem: Meise, Fink, Spatz, Kernbeißer und Dompfaff. Kleiber, Specht und Zeisig fressen sowohl Körner als auch Weichfutter.

Körnerfressern sollten Sonnenblumenkerne und Hanfsamen angeboten werden, auch eingefettete Haferflocken sind als Ergänzung möglich. Getreidekörner wie z.B. Weizen oder Hafer, auch Mohn und Leinsamen sowie zerkleinerte, unbehandelte Erdnüsse eignen sich zur Fütterung. Natürlich können Sie auch in Samenfachgeschäften, Zoohandlungen und Supermärkten vorgefertigte Futtermischungen, sowie Futterringe und Meisenknödel kaufen. Achten Sie dabei bitte auf eine gute Qualität des Futters und fragen Sie auch nach dem Ablaufdatum!

Zu den Weichfutterfressern gehören unter anderem: Amsel, Drossel, Star, Rotkehlchen, Baumläufer, Heckenbraunelle und Zaunkönig. Weichfutterfresser sind auf Beeren und Obst spezialisiert. Zu nennen wären dabei Holunderbeeren, die Beeren der Eberesche, des Ligusters, des Wilden Weins und des Weißdorns, die leicht im Herbst gesammelt und getrocknet werden können. Sie können die getrockneten Beeren aber auch in Fachgeschäften erwerben. Auch Eicheln und getrocknete Insektenlarven sind geeignet. Vorsicht ist jedoch beim Auslegen von kleingeschnittenem Obst geboten! Es kann im Winter schnell gefrieren und verderben und ist dann für die Tiere schädlich. Besser ist es, getrocknetes Obst oder frische, ganze Äpfel und Birnen auszulegen. Die Vögel können sich daraus Stückchen herauspicken.

Im Winter sollten Sie - auch bei Frost - Wasserschalen anbieten. Das ausgelegte Futter ist oft sehr trocken und die Vögel benötigen deshalb viel Trinkwasser und auch Badewasser. Aber keine Angst: Die Gefahr eines Vereisens des Gefieders besteht nicht! 

Wasservögel

Enten, Gänse, Schwäne, Taucher und "Hühnerartige" - wie Bless- und Teichhuhn - finden in der Regel im Winter genug Futter. Wenn jedoch die Seen und Teiche zugefroren sind, haben auch diese Arten Probleme bei der Futtersuche. Geeignetes Winterfutter ist Getreide, Kleie und Hühnerfutter. Auch weiche Kartoffeln, Rübenstückchen und Eicheln können verfüttert werden. Gewürzte Speisereste sowie Brot und Backwaren sollten keinesfalls verfüttert werden!

Bedauerlicherweise gehen viele Menschen davon aus, dass Brot ein sinnvolles Futtermittel für die Tiere darstellt. Brot in kleinen Mengen ist zwar nicht schädlich, aber eine ständige und ausschließliche Ernährung schadet den Tieren und kann zu einem massiven Nährstoffmangel führen. Dies wirkt sich dann unter anderem in der Brutzeit in dünnschaligen Eiern und im schlimmsten Fall einer tödlichen Legenot der Weibchen aus. Brotreste die bei der Fütterung übrig bleiben verschmutzen zudem das Gewässer und führen zu einer Verschlechterung der Wasserqualität.

Wo sollte das Futter angeboten werden?

Für Weichfutterfresser können Sie im Schutz eines Baumes oder eines Gebüschs eine überdachte Stelle einrichten, die Schutz vor Wind und Schnee bietet. Achten Sie darauf, dass den Vögeln freier Ausblick nach allen Seiten möglich ist, damit sie herannahende Feinde rechtzeitig erkennen können. Baumstämme oder den Pfahl an dem das Häuschen befestigt ist können Sie zusätzlich mit einer Maschendrahtmanschette sichern. Diese sollte so angebracht sein, dass Raubfeinde die Manschette nicht überspringen können. Außerdem sollten sich mehrere Bäume in der Umgebung als Anflugbasis und Versteckmöglichkeiten befinden. 

Körnerfresser sollten ihr Futter an einer getrennten Stelle bekommen, damit die verschiedenen Vogelarten nicht miteinander in Konflikt geraten. Am sinnvollsten ist es zudem das Futter auf mehrere Futterstellen im Garten zu verteilen.

Verschmutzte Vogelhäuser können eine Brutstelle für Parasiten und Krankheitserreger sein. Deshalb sollten Sie umbedingt darauf achten die Vogelhäuser sauber zu halten. Grundsätzlich sollten die Futterstellen täglich trocken ausgefegt und einmal wöchentlich mit kochend heißem Wasser geschrubbt werden. Die Fütterung sollte regelmäßig und in kleinen Mengen vormittags und nachmittags stattfinden.

Unsere einheimischen Vögel können Sie zudem mit einem naturnahen Garten unterstützen. Vorallem Holunder und Eberesche gehören zu den Hauptnahrungsmitteln. Gärtner sollten außerdem ihren Garten im Herbst nicht vollkommen ausräumen. In hohlen Stängeln, Blütenresten, aufgeschichteten Reisig, Holzstapeln und im Komposthaufen überwintern zahlreiche Insekten - Nahrung für unsere einheimischen Vögel.

Ausführliche Informationen zur Vogelfütterung finden Sie außerdem auf der Seite wildvogelhilfe.org