Willkommen zurück!

Die Wildkatze war in unserer Region so gut wie ausgestorben. Jetzt konnte sie unsere Ortsgruppe Litzendorf wieder nachweisen - die Wiederansiedlungsprojekte des BUND waren erfolgreich!

Seit mehr als 25 Jahren setzt sich der BN für die Rückkehr der Wildkatze in die bayerischen Wälder ein. Falsch verstandene Jagd hatte zum Aussterben geführt. In den Zucht- und Auswilderungsstationen Schloß Wiesenfelden und Rothenbuch wurden bis 2011 über 600 Tiere auf das Überleben in der freien Wildbahn vorbereitet. Die Tiere wurden in einer gemeinschaftlichen Aktion von Bund Naturschutz, Waldbesitzern und Jägern in verschiedenen Auswilderungsgebieten in die Freiheit entlassen. 

Mit Erfolg! Es leben wieder Wildkatzen in Bayern und sie erobern sich nach und nach ihre alten Gebiete von Nord nach Süd zurück!

Mehr zur Wildkatze im Bamberger Land finden Sie in unserer Mitgliederzeitschrift Nummer 3/ 2013.

 

 


Nur noch wenige Wälder entsprechen den Vorlieben der Wildkatze.
Die für die Wildkatze als optimal angesehenen Wälder (Rot) entsprechen leider nicht den forstwirtschaftlich ideal gesehenen Wäldern.
Verbreitung der Wildkatze in Europa
Die Wildkatze in Deutschland
Verbreitung der Wildkatze in Bayern

Steckbrief der Wildkatze

Was unterscheidet eigentlich die Wildkatze von unserer Hauskatze?

Auch wenn einige unserer Hauskatzen fast wie ihren wilden Verwandten aussehen, bleiben sie Hauskatzen die gerne die Nähe von Menschen aufsuchen. So etwas würde der Wildkatze nie einfallen!

Hier ein kleiner Steckbrief zur Wildkatze:

  • Größe: In etwa wie eine Hauskatze
  • Gewicht: Katzen 4 kg, Kater 5 kg
  • Junge: 2-4, max. 6 pro Wurf, kommen zwischen März und September zur Welt, die meisten Würfe im April. Ein zweiter Wurf im Herbst findet nur statt, wenn der erste Wurf verloren wurde.
  • Nahrung: Vor allem Mäuse, seltener Kaninchen, Eidechsen, Frösche, Insekten, Kleinvögel, Aas nur ausnahmsweise, kaum pflanzliche Nahrung.
  • Alter: etwa 7-10 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre.

Im Gegensatz zur Hauskatze:

  • Buschiger Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfen, schwarzen Ende.
  • Fellzeichnung nicht kontrastreich sondern verwaschen.
  • Besonders im Winterfell gedrungen und kräftiger als die Hauskatze wirkend.
  • Wuchtige, breite Schnauzenform.

Ausführlich können Sie sich die Unterscheidungsmerkmale hier durchlesen. 

Wie genau sind nun unsere Hauskatze und die Wildkatze miteinander verwandt?

Die Verwandtschaftsverhältnisse der vielen Katzenarten werden in der Wissenschaft noch fleißig diskutiert. Einig sind sich die meisten Forscher darin, dass sich aus einem weit verbreiteten Vorfahren vor etwa 10. bis 20.000 Jahren aufgrund von verschiedenen Anpassungen an den jeweiligen Lebensraum, vier Unterarten von Felis silvestris entwickelt haben: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) mit buschigem Schwanz, die Asiatische Wildkatze (Felis silvestris ornate), die mehr gepunktet als gestreift ist und schließlich zwei afrikanische Unterarten (Felis silvestris lybica und Felis silvestriv cafra). Die Afrikaner nennt man auch Falbkatzen, sie gelten als friedlichste Typen. Vor rund 9500 Jahren haben sich Falbkatzen in Ägypten erstmals dem Menschen angeschlossen und wurden durch Domestikation zu Hauskatzen, während die Europäische Wildkatze weiter durch unsere Wälder streifte. In Ägypten wurde die Katze verehrt und es war verboten sie auszuführen - die Phönizier und später die Römer taten es trotzdem. Sie schmuggelten sie nach Europa, wo sie seitdem als zahme Verwandte der Europäischen Wildkatze bei uns Menschen lebt.

Wo lebt die Wildkatze?

Wildkatzen sind Waldbewohner - sie werden daher auch oft Waldkatzen genannt. Sie brauchen Wälder, die heute leider nur schwer zu finden sind: Urwälder oder zumindest sehr strukturreiche Wälder mit kleinen, hellen Lichtungen, Windwurfflächen, alten Laubbäumen und Jungholz im engen Verbund. Auch ruhige, heckenreiche Säume am Waldrand sind bei Wildkatzen beliebt: Hier erbeuten sie Mäuse, die ihre Hauptnahrungsquelle sind. 

Nur in großen Wäldern finden sie genügend Platz für ihre Reviere. Auch wenn Wildkatzen auf den Wiesen, die an Wälder angrenzen jagen, brauchen sie immer den Bezug zum Wald. Sie müssen schnell dorthin flüchten können. Nur dort wo Gebüsche und Hecken ausreichend Deckung bieten, wagen sich die Wildkatzen weiter aus dem Wald heraus. Auch die Ausbreitung in andere Wälder kann nur über solche Korridore erfolgen. 

In Deutschland nehmen Wälder nur noch ca. 30% der Gesamtfläche ein, die meisten davon werden forstwirtschafltich genutzt und sind deshalb recht eintönig. Ursprüngliche Buchenmischwälder finden sich kaum noch, so bleiben für die Wildkatze nur noch wenige geeignete Lebensräume.

Verbreitung in Europa

Bis ins 20. Jahrhundert hinein waren die Wildkatzen in vielen Wäldern Europas weit verbreitet. Viele Jahrzehnte lang befanden sie sich auf dem Rückzug. Dank der Bemühungen zum Schutz der Wildkatze, gibt es nun wieder Hoffnung, dass sie sich in einigen Gegenden wieder ausbreiten kann. 

Die heutigen Verbreitungsschwerpunkte liegen auf dem Balkan, der Iberischen Halbinsel, Italien, Schottland, Ostfrankreich bis Belgien und in Teilen West- und Mitteldeutschlands. Für Deutschland ergibt sich dadurch eine Schlüsselrolle als Bindeglied zwischen dem Vorkommen in Ost- und Westeuropa.

Die Wildkatze in Deutschland

In Deutschland kommen Wildkatzen vor allem in der Mitte und im Südwesten vor. Ein Verbreitungszentrum umfasst die Vorkommen in Eifel, Hunsrück, Pfälzer Wald und Taununs, die vermutlich über den Westerwald untereinander im Austausch stehen und  Anschluss an die Bestände in Ostfrankreich und Belgien besitzen.

Das zweite Verbreitungszentrum liegt im Harz, Teilen des Leine-Weserberglandes und Waldgebieten Nordthüringens bis zum Hainich. Neue Untersuchungen lassen hoffen, dass Verbindungen zu den Vorkommen im Hessischen Bergland, im Spessart, der Rhön und vielleicht den Haßbergen geschaffen werden können. Auch andere Waldgebiete wären potentiell als Lebensraum für die Wildkatze geeignet. Es gelingen auch manchmal Beobachtungen, ob es sich dabei aber um einzelne Kater oder um eine noch unentdeckte Population handelt, muss erst anhand von zukünftigen Untersuchungen geklärt werden.

Die Wildkatze in Bayern

In Bayern wurde die Wildkatze Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet. Fehlendes Wissen über die Biologie der Wildkatze und falsche Vorstellungen über die Zusammenhänge in Ökosystemen haben zu einer völlig absurden Darstellung der Lebens- und Ernährungsweise der Wildkatze geführt.

Um nur eine dieser abwegigen Vorstellungen über Wildkatzen zu nennen, hier ein Auszug aus Jagd auf Kleinwild, Anfang des 20. Jahrhunderts:

"Eine angeschossene Wildkatze ist ein scheußliches Bild von Wut und Bosheit und für den Jäger und Hund nicht ungefährlich. Es sollen Fälle vorgekommen sein, wo der Angriff einer wütenden Wildkatze tödlich für Menschen verlief."

Als vermeintlicher Konkurrent um Jagdbeute und als Gefahr für das Niederwild wurde die Wildkatze gnadenlos verfolgt. Ihr wurde die Tötung von Rehen und Hirschen, ja sogar eine Gefährlichkeit für den Menschen zur Last gelegt. Das traurige Ergebnis: Die Wildkatze wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland ausgerottet!

In Bayern wurde während des Ersten Weltkriegs die letzte Wildkatze bei Klingenbrunn  im Bayerischen Wald erlegt.

Durch den Erfolg der mehr als 20 Jahre andauernden Auswilderungsaktionen des BN konnten nun endlich wieder Wildkatzen in Bayern angesiedelt werden.

Vor allem die Wälder in Nord- und Ostbayern scheinen geeignete Lebensräume für die Wildkatze zu sein. Um diese Vorkommen zu schützen, werden im Aktionsplan 1 zum Schutz der Wildkatze unter anderem folgende Maßnahmen unternommen:

  • Erhaltung der bestehenden Lebensräume durch angepasste Bewirtschaftung der Wälder.
  • Vernetzung von Wäldern mit Wildkatzen durch Hecken und kleine Wälder als Wanderrouten über Agrarlandschaft. Mehr zum Wildkatzenwegeplan finden Sie hier.
  • Sicherung der Wanderungen an gefährlichen Straßen durch den Bau von Grünbrücken. 

 

 

 

Hier sind die ersten Filmaufnahmen von kleinen Wildkatzen im bayerischen Haßbergekreis gelungen:

Aber auch sonst ist im Wald viel los: 


Wildkatzensprung

Seit dem 1. November 2011 ist der BUND mit 10 Landesverbänden und damit auch der Bund Naturschutz Projektnehmer des Projekts "Wildkatzensprung". Es handelt sich dabei um ein Projekt zur Förderung der Biodiversität und wird maßgeblich gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz.

Näheres zum Projekt finden Sie hier.

Der Schwerpunkt des Bayerischen Wildkatzensprungs liegt vor allem auf der Evaluierung des Erfolgs der veschiedenen Auswilderungsaktionen.

Wir wollen wissen:

  • Woher stammen die Wildkatzen? Hierfür werden Lockstöcke im engen Raster aufgestellt um einen genetischen Nachweis zu erreichen.
  • Welche Regionen in Bayern werden aktuell von der Wildkatze wiedererobert? 
  • Wie ist die Vernetzung mit den benachbarten Bundesländern bzw. Ländern?

Hier die sensationellen Ergebnisse des Winters 2012/2013!