Per Rad durch das grüne Muna-Paradies

Biologe Bücker erklärt die Besonderheiten des Sandmagerrasens
Knorrige Eiche in der Muna
Libellenballett in der Muna

Einen noch unbekannten Teil des Bamberger Hauptsmoorwaldes konnten die Teilnehmer der Radexkursion kennenlernen. Die beiden Exkursionsleiter Martin Bücker vom Bund Naturschutz und Anan Adeili vom Bundesforst zeigten auf „verwunschenen“ Wegen die ökologische Bedeutung des Schießplatzes und der sogenannten Muna, einem ca. 145 ha großem Areal.

Zu Beginn erklärte Bücker anhand der vorhandenen Sandmagervegetation des Schießplatzes die Überlebensstrategien der Pflanzen. Wer auf so extremen Standorten überleben will, muss Überlebensstrategien entwickeln, so Bücker.

Am Beispiel des Silbergrases mit seinen eingerollten, schmalen Blättern, der silbrigen Färbung und dem massiven Wurzelwerk konnten schon drei der  Überlebenstaktiken erklärt werden. Einige Pflanzen behelfen sich durch zweijähriges Wachstum. Im ersten Jahr werden die Blätter gebildet, im zweiten Jahr die Blüten und Samen. Bei den Tieren kann es die Strategie der langen Beine sein, wie z.B. beim Sandlaufkäfer. Hier wird der Abstand zum heißen Sandboden vergrößert.

Beim Schießplatz handelt es sich um einen „Hot Spot“ der Artenvielfalt und einen besonders wertvollen Lebensraum. Der BN hat mit einem eigenen Gutachten diese Wertigkeit bereits bei der Regierung von Oberfranken gemeldet und fordert die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Von diesen artenreichen Sandmagerflächen existiert in Bayern gerade noch 1 Prozent. Früher wurden durch freifließende Flüsse wie der ursprünglichen Regnitz sandige Flachufer gestaltet. Durch die Begradigung der Flüsse und Bäche und die Versteinung der Ufer wurde dies in vielen Flussabschnitten unterbunden.

Im Anschluss radelten die Naturinteressierten weiter zu den bereits gut eingegrünten Bunkern auf der Muna. Hier verwies Adeili auf die Mächtigkeit des Stahlbetons der Gebäude. Ein Abriss ist, wenn überhaupt, nur mit enormem Kostenaufwand machbar. Einige dieser Bunker könnten künftig allerdings für Fledermäuse als Quartier belegt werden. Genutzt werden sie bereits jetzt als Unterstand der vorhandenen Mufflonherde. Die eingesetzten Mufflons beweiden die Offenlandbereiche als Landespfleger mit dem Ziel, diese auf Dauer frei zu halten.

Am sogenannten Öllager konnten die Besucher die hinterlassenen Altlasten begutachten. Im Erdreich versenkt und kaum erkennbar wurden von den Amerikanern Tanklager errichtet, die nun auf eine ordnungsgemäße Entsorgung warten. Eine bereits ausgewiesene Naturschutzfläche der Muna mit malerischen, verzweigten Eichenbäumen und einer Weiherfläche mit Schilf- und Röhrichtsaum waren der Endpunkt der Radexkursion.

Für die Teilnehmer war klar, dass solch ein naturschutzfachlich interessantes Gelände mit einem geschichtlichen Hintergrund, wie z. B. den Herstellungshallen der Flugzeugbauerfirma Messerschmitt, auf keinen Fall für ein Gewerbe- und Industriegebiet geopfert werden darf. Die Naherholung, Freizeitnutzung und der Naturschutz sind für dieses Areal die richtige Entwicklung. Eine Stadt wie Bamberg muss es sich leisten können solch hochwertige Flächen zu schützen, so der Referent Bücker.

Unterschriftenaktion: Kein Industriegebiet im Hauptsmoorwald!

Bitte unterstützen sie uns dabei, Unterschriften gegen das geplante Industriegebiet zu sammeln.

Hier können Sie die Unterschiftenliste als pdf herunter laden.

Den Infozettel zur Aktion finden Sie hier.

Aktion "MAI BAAM" - Hände weg vom Hauptsmoorwald

Die Protestaktion zum Schutz des Hauptsmoorwald war mit nahe zu 1000 Unterschriften ein voller Erfolg.

Danke an alle Besucher, die bei dieser Protestbewegung gegen das geplante Industriegebiet der Stadt Bamberg mitgemacht haben und sich "ihren" Baum ausgesucht haben.

Kein Industriegebiet im Hauptsmoorwald!

Quelle: Stadt Bamberg

Trotz des problematischen Standorts hat die Stadt Bamberg eine Flächennutzungsplanänderung und ein Bebauungsplanverfahren für das geplante Gewerbe- und Industriegebiet im Hauptsmoorwald eingeleitet.

Unter dem Namen „Gewerbepark Geisfelder Straße“ wird auf den Flächen von Schießplatz, Muna sowie nordöstlich und östlich davon gelegener Waldbereiche ein riesiges Industrie- und Gewerbegebiet geplant. Dessen ganzes Ausmaß ist in der obenstehenden Grafik aus dem Bebauungsplanentwurf zu erkennen. Die grauen Flächen sind Gewerbe- und Industriefelder. Die orange Fläche steht für das Sondergebiet JVA. Orange sind auch die Erschließungsstraßen gekennzeichnet. 

Alle Bamberger haben bis zum 19. Februar die Möglichkeit, sie zu den Planungen zu äußern. Daher hat der BUND Naturschutz Bamberg eine Musterstellungnahme erarbeitet. Diese können Sie hier herunterladen und hier direkt online bei der Stadt Bamberg einreichen.

Folgende Hauptkritikpunkte sind aus unserer Sicht relevant:

Die Größe der Bauflächen des geplanten Industriegebietes im Hauptsmoorwald und an dessen Rand beträgt 100,15 ha. Etwa ein Viertel davon entfällt auf Verkehrsflächen.

Damit sprengt diese Planung die bisherigen Dimensionen von Gewerbegebietsausweisungen und die Grenzen der Verhältnismäßigkeit.

Der tatsächliche Bedarf wird angezweifelt.

Durch die Bebauung würden über 85 ha (entspricht 120 Fußballfeldern) Wald zerstört werden. Neben den Waldflächen auf der Muna und dem Schießplatz gehören dazu auch weitere, große, bisher nur forstlich genutzte Bereiche des Hauptsmoorwaldes.

Aber auch für den Naturschutz sehr wertvolle Offenlandbereiche würden zerstört oder durch die geplanten Gewerbeflächen und Erschließungsstraßen isoliert werden.

Die Freiflächen des Schießplatzes gehören zu den wertvollsten Flächen der „Sandachse“ und weisen bayernweite Bedeutung auf. Sie bestehen aus verschiedenen gesetzlich geschützten Biotopen wie Sandmagerrasen.  Diese zählen zu den Lebensraumtypen, die aufgrund ihrer Gefährdung nach europäischer FFH-Richtlinie einen besonderen Schutz genießen. Die Fläche weist eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren der Roten Liste auf.

So konnten z.B. 22 Pflanzen der Roten Liste, 150 Schmetterlingsarten (darunter 11 der Roten Liste) oder gefährdete Tierarten wie die Zauneidechse oder zahlreiche Fledermausarten nachgewiesen werden.

Nach der vorgelegten Planung wird ca. die Hälfte der wertvollen Sandmagerrasen-komplexe des Schießplatzes überplant. Die restliche Fläche soll durch eine Erschließungsstraße geteilt werden. Dadurch blieben im Grunde nur noch zwei voneinander getrennte, weitgehend durch umgebende Straßen und Gewerbeflächen isolierte Teilflächen übrig. Die ökologische Wertigkeit der Sandmagerrasenkomplexe würde dadurch sehr eingeschränkt.

Auch die Erholungsfunktion bisher naturnaher Waldflächen wäre durch Störfaktoren des Industriegebiets wie Lärm, Sicht oder Verschmutzung erheblich beeinträchtig.  Die ohnehin sehr eingeschränkten Naherholungsmöglichkeiten in der Natur im Bamberger Osten/Südosten werden durch die Industrieansiedlungen eingeschränkt und noch weiter nach Osten verschoben.

Die überwiegend im Gebiet vorhandenen Sandböden  haben nur eine geringe Rückhaltewirkung für Schadstoffe. Zusammen mit dem hoch anstehenden Grundwasser ist die Nutzung als Industriegebiet problematisch.

Die Rodung von 86 ha Wald sowie die Versiegelung von großen Flächen wird für die westlich benachbarten Siedlungsflächen in klimatischer und lufthygienischer Hinsicht negative Auswirkungen haben.

Fazit: Die Schutzgüter Natur und Landschaft, sowie im Speziellen die Arten- und Biotopausstattung, fanden im gebotenen Umfang keine Berücksichtigung. Die gesamte Planung eines Industriegebiets im Hauptsmoorwald weist fachliche Mängel und fehlerhafte Angaben bei der Ermittlung von Ausgleichsflächen auf.

Aus all diesen Gründen lehnen wir die Flächennutzungsplanänderung und den Bebauungsplan ab. 

Den Text der Stellungnahme mit ausführlicher fachlicher Begründung können Sie sich hier herunter laden.

Bundestag erklärt Hauptsmoorwald zum Nationalen Naturerbe

Nach langem Hin und Her hat der Haushaltsausschuss des Bundestags dem rund 305 Hektar großen Abschnitt des Hauptsmoorwalds den Status eines Nationalen Naturerbes (NNE) zugesprochen. Damit wird der zweijährige Kampf des BUND Naturschutz für eine umweltfreundliche Nutzung des ehemaligen Standortübungsplatzes der US-Army nun endlich belohnt. Noch im Frühjahr wurde für die Konversionsfläche seitens einiger Bamberger Politiker ein gemeinsames Gewerbegebiet von Bamberg, Memmelsdorf, Litzendorf und Strullendorf ins Spiel gebracht. Doch nun steht das Gebiet östlich der A73 auf der Liste der bundesweit geschützten Flächen und soll damit in Zukunft nach den Vorgaben des Naturschutzes entwickelt werden. Mit der Verhinderung einer weiteren Zersiedelung können Lebensräume gerettet werden und die Waldentwicklung gefördert werden. Im Hauptsmoorwald befindet sich ein wertvolles Naherholungsgebiet, in dem diverse nach dem EU-Artenschutzrecht geschützte Arten und Lebensraumtypen vorkommen und zahlreiche gefährdete Arten der Roten Listen ihren Lebensraum haben. Deshalb zeigt sich Heinz Jung, Vorsitzender der Kreisgruppe Bamberg, über diesen Beschluss „hocherfreut“, warnt aber gleichermaßen vor einer Privatisierung des Gebiets, sowie vor verschärften Rahmenbedingungen zu Lasten der Verbände und Stiftungen. Denn anders als bei vorherigen Tranchen, die bundesweit als NNE-Gebiete ausgewiesen wurden, geht der Besitz nicht in die Hände einer Naturschutzstiftung, sondern bleibt beim Bund. Doch gerade Umweltverbände sind wegen der Sicherung der Gebiete vor Ort als Flächenempfänger geeignet und können eine hohe regionale Akzeptanz der Idee des Nationalen Naturerbes garantieren.

Noch unklar ist, was mit der ehemaligen Panzerwaschanlage des US-Militärs geschieht, die ebenfalls Teil der Konversionsfläche ist, jedoch nicht mit in das Gebiet des NNE eingegliedert wurde. Bisher wurden von Seiten der Politik unterschiedliche Signale gesendet, inwiefern die Fläche in Zukunft genutzt werden soll. Für den BUND Naturschutz wäre es wünschenswert, dass auch die ehemalige Panzerwaschanlage bald im Sinne des Umweltschutzes gestaltet werden darf.

 

 

 

 

Bamberger Schiessplatz - Aktuelles Gutachten belegt Naturschutzwert

Bamberg. Angesichts der Bedrohung des ehemaligen Schießplatzes an der Armeestraße durch ein großflächiges Gewerbegebiet haben Bund Naturschutz und Naturforschende Gesellschaft nun ein Gutachten vorgelegt, das ihre Forderung einer Unterschutz-Stellung fachlich belegt.

Für das Gutachten wurden insbesondere Bewuchs und Pflanzenarten auf dem Gelände, das von der US-Army für Schießübungen genutzt wurde, untersucht. Hermann Bösche, Vorsitzender der Naturforschenden Gesellschaft und einer der beiden  Autoren der Studie kommentiert: "Wir wussten bereits von dem besonderen Wert des Areals, aber diese Ergebnisse haben unsere Vorstellungen noch weit übertroffen."

So wird der größte Teil des ehemaligen Schießplatzes von Sandmagerrasen und in geringerem Umfang auch von Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen bewachsen. Dies sind allesamt Biotoptypen, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter besonderem Schutz stehen. Auch in der europäischen  FFH-Richtlinie (Flora Fauna Habitat) werden diese Lebensräume als besonders schützenswert eingestuft.

Das Gutachten hebt speziell die Sandmagerrasen hervor. Die Experten fanden bei ihrer Untersuchung auf den hervorragend erhaltenen Flächen allein 11 Pflanzenarten,  die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. „Durch ihre Größe und ihre gute Ausstattung haben die Sandmagerrasen des Schießplatzes bayernweite Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt und gehören zu den bedeutensten Flächen der Sandachse Franken," so Erich Spranger, Co-Autor der Studie.

Vor diesem Hintergrund zeigte sich BN-Kreisgruppenvorsitzender Heinz Jung bei einer Begehung der Flächen sehr  verwundert über die Pläne der Stadt: „Durch die Konverson stehen viele bereits überbaute Flächen zu Verfügung – warum überplant man eine für den Naturschutz so wertvolle Fläche derart rücksichtslos?“ Bund Naturschutz und Naturforschende Gesellschaft fordern bestärkt durch das Gutachten, die Fläche mit  entsprechender Pflege, z.B. die Beweidung durch Mufflons, in ihrem jetzigen Zustand zu erhalten und auf Dauer zu sichern.

 

Zum Download des vegetationskundlichen Gutachtens

Christine Hertrich 

 

 

Wir sagen dem Gewerbegebiet Muna-Schießplatz den Kampf an

Quelle: Stadt Bamberg; überarbeitet von BUND Naturschutz
 

Große Empörung herrschte bei der Mitgliederversammlung der BUND Naturschutz Kreisgruppe Bamberg am 15. Mai 2014 über die Planung der Stadt Bamberg für ein neues Gewerbegebiet im Bereich Muna und Schießplatz.

Die Pläne, die am 13. Mai in der Konversions-Arena 4 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, sehen ein über 100 ha großes, von Erschließungsstraßen durchzogenes Gewerbeareal vor. „Diese Planung bedeutet einen immensen Flächenverlust, isoliert  das vorhandene Naturschutzgebiet Muna und zerstört wertvolle Lebensräume. Die ausgewiesenen Gewerbeflächen fressen sich auch in bisher nicht militärisch genutzte Bereiche des Hauptsmoorwaldes hinein. Deshalb werden wir mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, dagegen kämpfen“, kündigt Heinz Jung, der Vorsitzende der Kreisgruppe, an. Der Plan gehe weit über den aktuellen Bedarf an Gewerbeflächen in Bamberg hinaus und werde weder der Demografie noch einer ökologischen und sozialen Stadtentwicklung gerecht. Natur komme bei dieser Planung nicht vor.

Vielfalt an gefährdeten Arten prägt die Konversionsflächen

Bei einem Vortrag im Rahmen der Mitgliederversammlung dokumentierten der Geograph Hermann Bösch und der Biologe Martin Bücker den ökologischen Wert der Konversionsflächen. Die Vielfalt an geologischen Strukturen und die Lebensräume, die sich in den letzten Jahrzehnten aufgrund der militärischen Nutzung nahezu ungestört entwickeln konnten, machen diese Flächen für die Natur so einzigartig. So finde sich hier ein Mosaik aus Sandmagerrasen, bewaldeten Flächen, kleinen Teichen und feuchten Moorböden. Die beiden Experten veranschaulichten anhand von Fotos, wie selbst die versiegelten und bebauten Flächen der Muna von der Natur zurück erobert wurden und welch hohe ökologische Qualität sie inzwischen aufweisen. Die Muna besteht zum größten Teil aus naturnah bewirtschaftetem Wald. Auch die Bunker und zum Teil die Baracken sind "bewaldet".

Viele seltene oder gar vom Aussterben bedrohte Tier-, Pilz- und Pflanzenarten sind auf den unterschiedlichen Konversionsarealen – Flugplatz Breitenau, Schießplatz, Muna, Local Training Area (LTA) – zu Hause. Nördlich des Naturschutzgebiets Muna befinden sich bis zur Geisfelder Straße wertvolle Sandmagerrasen. In diesen Bereichen kommen beispielsweise Dünensandlaufkäfer und Ameisenlöwe sowie zahlreiche Schmetterlingsarten wie der Purpur-Ampferspanner vor. Die Artenvielfalt und Qualität der Schießplatz-Flächen sind mit der des Flugplatzes Breitenau vergleichbar - also ein Hotspot der Artenvielfalt. Rund um die kleinen Teiche im Hauptsmoorwald sind Moorfrosch und Gelbbauchunke anzutreffen. Über 1000 Blütenpflanzen beheimatet der Hauptsmoorwald, viele davon sind ansonsten weit und breit nicht mehr zu finden. So der Pfeilginster, von dem in ganz Franken kein weiteres Vorkommen bekannt ist. Selbst Relikte aus der Eiszeit, wie das äußerst gefährdete Alpenleinblatt, haben im Hauptsmoorwald überlebt.

Wald muss Wald bleiben

Vor diesem Hintergrund wurden auf der Mitgliederversammlung die Forderungen des BUND Naturschutz an den Konversionsprozess in Bamberg noch einmal bekräftigt:  Wald muss Wald bleiben. Versiegelte Flächen im Bereich Hauptsmoorwald und Muna müssen zurück gebaut und entsiegelt werden. Für eine ökologisch und sozial verträgliche Stadtentwicklung stehen im Bereich Kaserne und Housing Area genug Flächen zur Verfügung. Der Flugplatz Breitenau muss unter Naturschutz gestellt werden, um ihn vor weiteren Eingriffen dauerhaft zu schützen.

Ausführliche Informationen, Fotos, Pläne und Ziele aus Sicht der Stadt Bamberg finden Sie unter:

www.konversion.bamberg.de

Christine Hertrich

Der Abzug der US-Armee aus Bamberg - ein Gewinn für Mensch und Natur

Am Montag den 6. Mai 2013 lud die Kreisgruppe Bamberg zu einem Vortrag von BN Regionalreferent  Tom Konopka zur bevorstehenden Konversion in den Saal der Gemeinde St. Heinrich in Bamberg ein.

Zu Beginn seines Vortrags gab Konopka einen Überblick über das betroffene Gebiet, das mit 450 ha  immerhin 8% des Bamberger Stadtgebiets ausmacht. 155 ha wurden bereits durch die Amerikaner  für Kasernen, Siedlungen, Sportstätten etc. städtebaulich genutzt. An dieser Stelle mahnte der Referent , man dürfe die durch die Konversion neu gewonnenen Flächen nicht automatisch und unmittelbar für den Wohnungs- und Hausbau nutzen, sondern sollte dies nur soweit verfolgen, wie es im Hinblick auf den demographischen Wandel sinnvoll ist.

Wie unterschiedlich Konversionsflächen genutzt werden können, zeigte Konopka an Beispielen aus Franken in denen die Konversion bereits zum großen Teil abgeschlossen ist:

Beispiel Fürth

In Fürth zogen die US-Streitkräfte bereits 1995 ab. Hier wurden 37 % der Fläche dem Naturschutz zugeführt, darunter auch wertvolle Flächen mit Sandmagerrasen. Außerdem entstanden auf dem Grund der ehemaligen W.O. Darby Kaserne ein neues Wohngebiet und der Südstadtpark, welche die Attraktivität Fürths als Wohnort stark verbessert haben. Die ausführliche Projektbeschreibung können Sie hier als pdf downloaden.

Naturschutzgebiet  Tennenloher Forst

Die Aufgabe der Erlangener Ferrisbarracks wurde 1993 angekündigt. Bereits 1997 erfolgte dann der Kauf durch die Stadt Erlangen, welche die alte Kaserne in einen Wohnpark mit Stadtpark, genannt Röthelheimpark, umbaute. Insgesamt sind von 50 ha Fläche 25 ha als Naturschutzpark ausgeschrieben worden. Zudem wurde der Tennenloher Forst, welcher heute das größte Naturschutzgebiet in Mittelfranken ist, nach dem Abzug der Amerikaner zum Naturschutzgebiet erklärt.Um die wertvollen Sandmagerrasen auf Dauer zu erhaltemn, beweiden heute Pferde die Flächen. Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es unter www.wildpferde-tennenlohe.de .

In Nürnberg wurden fast alle militärischen Gebäude abgerissen und vielerorts moderner Wohnraum geschaffen. In Feucht wurde viele wertvolle Feuchtlebensräume durch Gewerbegebiete vernichtet, nur der Übungsplatz zwischen Oberasbach und Stein wurde zum Naturschutzpark, da dieser als einer der Kernräume der Sandachse Franken gilt.

Perspektiven für Bamberg

Für Bamberg als Teil der Sandachse Franken fordert Konopka die Kerngebiete, wie zum Beispiel den Flugplatz Breitenau, unter Schutz zu stellen. Dem Erhalt des Hauptsmoorwalds muss besondere Aufmerksamkeit gelten. Er befürchtet, dass es nach dem Abzug Amerikaner durch den Bau von Straßen und die Ausweisung von Gewerbeflächen zu einer Zerstückelung des Waldes kommt. Konopka sieht die Zukunft des Hauptsmoorwalds als Bannwald, ähnlich dem Nürnberger Reichswald, der die Stadt begrenzt, wichtige Funktionen, wie die Frischluftzufuhr, erfüllt und der Bevölkerung zur Naherholung dient. Außerdem verwies der Referent auf Versprechen der Regierung von Oberfranken die Flächen unter Naturschutz zu stellen, sobald die US-Streitkräfte die Areale verließen.

Abschließend mahnte Konopka, Bamberg solle eine Stadt der kurzen Wege bleiben. Es wäre wichtig die starke Innenentwicklung beizubehalten und durch die Konversion die städtebauliche Entwicklung nicht zu stark an den Randgebieten zu forcieren. Hier sollte vielmehr Raum für die Natur und die Erholung der Menschen erhalten werden.  Die Konversion müsse von Unten nach Oben verlaufen, d.h. es müssen Bürger, Vereine und Verbände mit in die Planung mit einbezogen werden und es solle Raum für Kreative gelassen werden. Letztendlich verwies Konopka nochmal auf den demographischen Wandel und gab zu bedenken, dass auch Bamberg nicht immer Wachstumsregion bleiben wird und möglicherweise schon in den nächsten zwei Dekaden Schrumpfungsprozesse einsetzen werden.

 

Markus Breidenstein